Fotografiebegeisterte und Besitzer einer großen Spiegelreflexkamera kennen das Problem.
Man geht selten ohne Kamera aus dem Haus. Jedoch hat man nicht immer Lust die große, unhandliche und schwere Kamera mitzuschleppen.Und für den schnellen Schnappschuss zwischendurch muss es doch eine alternative Lösung geben. Auch lassen sich Frauen eher selten, zum Beispiel bei einer Tour durch eine interessante Stadt, mit einer zwei bis drei Kilogramm schweren Fotoausrüstung ausstatten. Hier sollte es dann doch auch eher das kleine, handliche Modell sein. Und etwas besser als die iPhone Kamera sollte es dann schon sein.

Also muss für den Alltagsgebrauch irgend eine Alternative her.

Ich habe vor unserem letzen Kreuzfahrt im Dezember genau  diese Überlegungen angestellt. Es musste noch eine Alternative zur Nikon D750 her. Klar, die ist auch mit in den Urlaub gekommen. Ich habe diese auch immer mit dabei gehabt. Aber meine Frau konnte so auch mal eine Kamera mitnehmen und fleißig Bilder machen.

Ich bin dann, irgendwie logisch, im Nikon Lager hängen geblieben und habe uns noch eine Nikon 1 J5 gekauft.  Mit in der näheren Auswahl waren auch die Sony Alpha 6 oder auch die Olympus OM-D. Unterm Strich alles sehr gute Geräte. Man muss sich dann irgendwie für eine entscheiden. Und bei mir ist es dann doch wieder eine Nikon geworden.

Die Nikon 1 J5 ist ausgerüstet mit einem 20,8 Megapixel Sensor im Nikon CX Format. Der Sensor hat eine Größe von 13,2 x 8,8mm. Im Vergleich dazu. Ein Vollformat Sensor der Nikon D750 hat eine Größe von 35,9 x 24,0mm.
Mit der Nikon 1 J5 kann man somit Bilder mit einer Auflösung von 5.568 x 3.712 Bildpunkten produzieren. Diese können als NEF (RAW) oder als JPEG Datei gespeichert werden. Bei JPEG hat man noch die Auswahl zwischen zwei Komprimierungsstufen.
Als Speichermedium kommt eine microSD Karte zum Einsatz. Der Steckplatz dafür befindet sich mit im Akkuschacht.
Die ganze Armada an technischen Daten möchte ich jetzt hier nicht aufzählen. Man kann sich diese Informationen Problemlos auf der Produktseite der Nikon 1 J5 ansehen. Ich möchte hier jetzt eher auf meine Erfahrungen mit dem Gerät eingehen.

Nikon 1 J5
Nikon 1 J5

Kommen wir mal zum generellen. Zur Haptik.
Hier finde ich die Nikon 1 J5 wirklich sehr gut gelungen. Optisch erinnert die Nikon an analoge Kameras aus den 80er Jahren. Ich habe das komplett schwarze Modell. Es gibt die 1 J5 aber auch in der Kombination Silber – Schwarz. Das ist dann 80er in Vollendung. Ich finde das aber durchaus sehr schön. Das Gehäuse ist aus Kunststoff. An den Griffstellen und an der Front ist es aber mit einer Art Soft-Touch in Lederoptik überzogen. Das fasst sich alles sehr wertig an. Durch das 10-30mm Objektiv, welches aus Metall gefertigt ist, wird diese Wertigkeit noch weiter unterstrichen.

Nikon 1 J5

Ebenfalls voll überzeugen kann das 3 Zoll Display auf der Rückseite des Gerätes. Es hat eine hohe Helligkeit und einen guten Kontrast. Auch bei vollster Sonneneinstrahlung kann man hier alles gut erkennen. Da die Kamera keinen Sucher hat ist dies auch wichtig. Ist es doch die einzige Möglichkeit das Motiv anzuvisieren.
Gleichzeitig ist das Display mit Touch Funktion ausgestattet. Man kann so die Kamera auch durch eine Berührung des Displays auslösen.
Auch sehr praktisch ist das Klappdisplay. Dies kann man quasi um 180° drehen. Nach oben und nach unten. Dazu verfügt es über eine Selfie Funktion. Ist das Display ganz nach oben geklappt zeigt das Display ja nach vorn. Dann sieht man sich selbst quasi auf dem Bild. Nun würde das Bild ja normal in dieser Position auf dem Kopf stehen. Hier wird das Bild auf dem Display jetzt gedreht. Somit kann man alles perfekt auch von vorn bedienen.

Nikon 1 J5Kommen wir zur Bedienung.
Hier hat Nikon doch wieder einige Seltsamkeiten eingebaut.
Logisch erscheint ja noch das Programmwahlrad. Das ist auch weitestgehend verständlich beschriftet und symbolisiert. Der Hebel zum ein- und ausschalten ist auch verständlich. Warum es aber dann an der Oberseite der Kamera zwei getrennte Auslöser für Foto und Video gibt, entzieht sich meinem Verständnis. Und warum dann gerade der Auslöser für die Videofunktion, der rechts außen ist und noch über einen roten Punkt verfügt kann nur Nikon beantworten. Jeder der diese Kamera das erste Mal in die Hand nimmt, macht zwangsläufig erst einmal ein Video. Der Knopf rechts außen mit farblicher Kennzeichnung. Logisch. Den eigentlichen Fotoauslöser, integriert mit dem Hebel zum ein und ausschalten, findet man dann zwar auch schnell. Aber warum es diese Anordnung brauchte ist mir ein Rätsel. Warum es überhaupt zwei getrennte Knöpfe braucht sollte mal hinterfragt werden.

Nikon 1 J5

An der Rückseite der Kamera befinden sich dann noch einmal 4 Knöpfe und ein Dreh- Wipp – Drück- Multifunktionsschalter. An dessen Bedienung und Funktion gibt es nichts auszusetzen. Ich für meinen Teil, mit etwas größeren Händen, würde mir alles etwas größer wünschen. Aber das ist der Kompromiss den man nun mal eingehen muss.
Die Bedienung des Menüs für die Einstellungen ist Nikon typisch. Ich empfinde es einfach, simpel und übersichtlich.
Die Bedienung und Änderung während des fotografierens, also zum Beispiel die Änderung von Einstellungen im Programmmodus Creativ, ist mitunter etwas unübersichtlich und nicht immer gleich auf den ersten Blick logisch ersichtlich. Hat man hier aber den Dreh raus dann findet man schon alles. Für meinen Geschmack sind einige Funktionen etwas zu verschachtelt und teilweise auch etwas unverständlich aufgebaut. Aber wie so immer. Man kann es nicht allen recht machen.

Belässt man es aber bei voller Automatik der Kamera kann man nicht wirklich was falsch machen. Motiv auswählen, Auslöser halb durchdrücken bis fokussiert ist und dann Feuer frei. Oder man tippt einfach auf das Display. Bevor man sich versehen hat ist das Bild geschossen. Die Nikon 1 J5 ist einfach sauschnell. Der Autofokus ist unglaublich schnell. Wenn man im Einzelfeldmodus zum Beispiel auf das Display tippt um ein Bild zu machen, dann ist das Bild im Moment des berührens des Displays geschossen. Auch wenn der Focus vorher in genau der anderen Entfernung lag. Laut Nikon schaft die 1J5 20 Bilder pro Sekunde mit Schärfenachverfolgung. Und das glaubt man gerne.
Jedoch hilft das alles wieder nicht viel. Denn auch bei der 1J5 schaft es Nikon nicht die Bilder in oder aus dem Puffer zügig wegzuschreiben. Das selbe Problem welches es zum Beispiel auch mit der Nikon D750 gibt. So kann man dann eine zügige Serie an Bildern machen. Dann stocken die Aufnahmen vor sich hin da der Puffer voll ist. Absolut unverständlich. Gut, da ich eher selten solche Anforderungen habe kann ich damit leben.

Die Videofunktion habe ich auch mal kurz getestet. Das geht auch ganz gut. Jedoch sollte genug Licht vorhanden sein. In Räumen mit wenig Licht wird das Videobild doch relativ schnell etwas Grobkörnig. Man sollte auch beachten, das Gegenstände die näher als ca. 20cm an der Kamera dran sind nicht mehr scharf gestellt werden können.
Aufnahmen in 1080p können mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde gemacht werden. Es gibt auch extra Zeitlupen Modi mit bis zu 400 Bildern pro Sekunde. Was jedoch eher ein Marketing Gag ist, ist die 4k Funktion. Ja, die Nikon 1 J5 kann 4k Videos aufzeichnen. Jedoch nur mit 15 Bildern pro Sekunde. Das ist dann echt ein Witz. Man hätte sich diese Funktion sparen sollen.

Die Nikon 1 J5 verfügt auch über eine Wi-Fi Funktion. Damit können Bilder von der Kamera zum iOS oder Android Smartphone und Tablett transferiert werden. Es kann theoretisch auch die Kamera ausgelöst werden. Jedoch muss man schon sagen, das die benötigte Nikon WMU (Wireless Mobile Utility) App allerunterstes Niveau ist. Sowohl was die Optik, Bedienung als auch Funktion angeht. Man kann damit schnell mal ein Bild von der Kamera zum Tablett übertragen. Aber dabei sollte man es dann auch belassen.
Wobei dies echt schade ist. Denn generell funktioniert das Wi-Fi der 1J5 bestens. Mit einer der 4 Tasten auf der Rückseite kann man das Wi-Fi aktivieren und deaktivieren. Das funktioniert bestens. Das iOS Device muss man dann manuell mit dem Wi-Fi verbinden. Und dann benötigt man eben diese komische WMU App.
Noch genialer funktioniert alles mit einem Android Device und NFC Funktion. Hier muss man das Android Device nur kurz an die Kamera halten. Über die NFC Funktion wird das Wi-Fi der 1J5 aktiviert und das Android Device erhält die passenden Einstellungen und die WMU App öffnet sich. Das ist alles toll und funktioniert großartig. Wenn nur diese WMU App nicht so unterirdisch wäre….

Jetzt will ich diesen Bericht mit ein paar Beispielbildern abschließen. In den unterschiedlichsten Situationen aufgenommen.
Die Bilder die ich jetzt hier einstelle sind unbearbeitet. 1:1 JPEG von der Kamera runter. Somit sind diese Dateien natürlich etwas größer. Der Detailgucker klickt am besten mit der rechten Maustaste auf das Bild und öffnet den Link in einem neuen Fenster oder geht auf ‚Ziel speichern unter‘. Dann kann man die Bilder in voller größe im Detail ansehen.

 

Strand Playa Rincon mit der Nicon 1 J5
Strand Playa Rincon mit der Nicon 1 J5 aufgenommen. 5568 x 3712 , 12MB

 

In der Dämmerung. Nikon 1 J5. 5568 x 3712 , 9MB
In der Dämmerung. Nikon 1 J5. 5568 x 3712 , 9MB

 

AIDAmar Atrium nachts. Nikon 1 J5. 5568 x 3712, 10MB
AIDAmar Atrium nachts. Nikon 1 J5. 5568 x 3712, 10MB

 

Scharfer Wurm auf Antigua. Nikon 1 J5. 5568 x 3712, 10MB
Scharfer Wurm auf Antigua. Nikon 1 J5. 5568 x 3712, 10MB

 

Freiahand, Blitz deaktiviert. Sonst alles Automatik. Nicht mehr das Einsatzgebiet der Nikon 1 J5. 5568 x 3712, 9MB
Freiahand, Blitz deaktiviert. Sonst alles Automatik. Nicht mehr das Einsatzgebiet der Nikon 1 J5. 5568 x 3712, 9MB

Fazit

Gibt es schon ein Fazit?
So richtig noch nicht. Eher ein Zwischenfazit.
Mit der Kamera sind bis jetzt gut 1000 Bilder gemacht worden. Was festzustellen ist. Es ist kaum Ausschuss dabei wenn man es von Schärfe, Farben usw. betrachtet. Hier sitzt der Fokus bei jedem Bild. Die Farben werden korrekt dargestellt. Es gibt keine oder kaum Verzeichnungen an den Rändern. Ja. Die Nikon 1 J5 macht einfach gute Bilder. Für ein endgültiges Fazit brauche ich sicher noch etwas mehr Zeit und Bilder.
Was aber bereits jetzt feststeht. Die Nikon 1 J5 wird die noch in der Ecke liegende Nikon D90 endgültig in den Elektroschrott befördern. Denn wozu sollte man die jetzt noch mitschleppen?

 

Nikon 1 J5

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