Eine besondere Attraktion der Hawaii Insel Big Island ist zweifelsfrei der aktivste Vulkan der Erde. Der Kilauea.
Schnell kommt der Wunsch auf, einmal die glutrote, fließende Lava zu sehen. Bei unserem ersten Besuch auf der Insel, 2013, haben wir die Lava nur aus weiter Ferne als kleinen, rot leuchtenden Punkt am Horizont gesehen. Natürlich ist das Gebiet um den aktiven Vulkan weiträumig abgesperrt. Mal eben schnell hingehen ist nicht möglich.
Wir haben uns vor unserem diesjährigen Urlaub schlau gemacht welche Möglichkeiten es gibt. Und die beste Variante, wenn auch nicht ganz Preiswert, ist und bleibt ein Flug mit dem Helikopter.
Ich habe mich für den Anbieter Paradise Helicopters entschieden. Zum einen bietet Paradise die Touren zum Vulkan direkt vom Flughafen Hilo an. Da unser Ferienhaus in Pahoa war bietet sich Hilo als Startpunkt an. Die Anreise zum Flughafen beträgt nur ca. 30 Minuten. Ein weiterer Punkt war die Möglichkeit alles so zu buchen, das wir einen Helikopter alleine hatten. Jeder sollte doch einen Platz an der Tür haben. Warum Tür? Paradise Helicopters bietet als einziger Anbieter die Option ‚Doors off‘ an. Bevor es los geht werden am Hubschrauber die Türen demontiert und man sitzt quasi direkt am Abgrund. Ein absolutes MUSS bei einer solchen Tour.

Hawaii. Big Island. Eine Insel mit vielen Gesichtern. Auf der einen Seite staubtrocken und heiß. An anderer Stelle tropisch mit teils urwaldähnlicher Landschaft. Und da niemand die Insel mit einer Gießkanne wässert, liegt die Vermutung nahe, das es ab und zu auch mal regnet. Ganz klar. Big Island, speziell die Ostküste, gibt es nicht ohne Regen. Man kann sogar behaupten, ohne täglichen Regen. Das gehört einfach dazu.
Und wenn man dann einen Helikopter Flug plant wird auch garantiert ein Versuch ins Wasser fallen. Zu viele Wolken. Der Vulkan im Nebel. Dann sagt Paradise den Flug von sich aus ab. Man hat die Möglichkeit das Geld zurück zu bekommen oder eben einen anderen Termin zu vereinbaren. Das haben wir dann auch gemacht, nachdem unser erster Flugversuch sprichwörtlich ins Wasser gefallen ist.
Also gab es einen zweiten Anlauf. Auch hier konnte man nicht von Kaiserwetter sprechen. Kein strahlend blauer Himmel. Ein Mix aus Wolken, Sonne, Regen. Es war alles dabei. Aber ganz klar. Wir konnten starten.
Zuerst bekommt man in einem Briefingroom am Flughafen sämtliche Details erklärt. Man erhält eine Sicherheitseinweisung und dann geht es raus aufs Flugfeld. Hier erhält man Headset und Schwimmweste.

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Und dann wartet man auf die Ankunft der Hubschrauber. In unserem Fall schwebte zuerst eine Bell 407 ein. Diese war für eine zweite Fluggruppe gedacht.

Bell 407 Paradise

Kurze zeit später schwebte dann unser kleines Fluggerät ein. Eine Hughes MD500E. Am Steuer saß Joyce Seyferth. Seit vielen Jahren für Paradise tätig.

Hughes MD500E Paradise

Nach der Landung wurden die Türen für uns demontiert. Und dann ging es auch schon los. Wir wurden zum Hubschrauber geführt. Einer nach dem anderen wurde platziert, angeschnallt und mit dem Bordfunk verbunden. Bereits bei der Anmeldung muss man Gewicht und Größe jedes Passagiers angeben. Das Gewicht wird auch vor Ort noch einmal kontrolliert. Anhand dessen wird jedem Passagier ein fester Sitzplatz zugeordnet. Zur optimalen Gewichtsverteilung.

Los ging’s vom Hilo Airport direkt Richtung Süden. Richtung Pahoa.

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Um den Effekt zu zeigen. Doors off ist ein absolutes MUSS.

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Wenn man es mag kann man auch einen Fuß auf die Kufe stellen. Hab ich bei einigen Bildern auch gemacht.
Weiter ging es entlang der Küste immer in Richtung Pahoa. Die Mischung aus Sonne, Wolken und Regen hat definitiv auch etwas. Wer will schon immer nur strahlend blauen Himmel?

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Ein Punkt war wirklich ärgerlich. Unsere ‚Homebase‘ auf Big Island war ja wieder in Pahoa. Unser Flug wäre auch über Pahoa hinweg gegangen. Eigentlich wollte ich Joyce dann auch bitten mal in Richtung unseres Hauses zu fliegen. Aber was passierte? Genau. Pahoa lag gerade unter einem dicken Regenschauer. Da reinzufliegen, ohne Türen, wäre nicht wirklich sinnvoll gewesen. Wir wären klatschnass aus dem Regenschauer wieder raus gekommen.
Also gibt es keine Bilder von Pahoa. Zumindest fast keine.
Das Malama Einkaufszentrum von Pahoa habe ich noch kurz vor dem eintreffenden Regen erwischt.

Malama Pahoa

Das Zentrum von Pahoa war quasi nicht mehr fotografierbar. Ich hab’s trotzdem gemacht und bin erstaunt, was man so aus einem Bild rausholen kann, was offensichtlich Schrott ist.
Original

Pahoa

Und mit ein bisschen Lightroom Nachhilfe

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Ja, mehr gibt’s nicht von Pahoa. Joyce drehte direkt nach Westen um das Regengebiet zu umfliegen.
Von jetzt an ging es direkt in Richtung Kilauea weiter. Zuerst noch über relativ grüne Landschaft, die jedoch langsam durch die riesigen Lavaflüße vergangener Ausbrüche durchbrochen wird. Um am Ende über einer schier unendlichen, schwarzen Lavawüste zu fliegen.

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Langsam gewannen wir noch an etwas Höhe um dann endlich den Puʻu ʻŌʻō  Krater im östlichen Gebiet des Kilauea zu erreichen. Dies ist der derzeit aktivste Krater des Kilauea. Ich bin kein Geologe. Ich kann nichts über diese Lava, über die Steine oder sonstwas sagen. Ich kann nur sagen, das es ein atemberaubendes Erlebnis ist. Hier zeigt sich dann auch, das es die 100% richtige Entscheidung war, ohne Türen zu fliegen. Zum einen natürlich wegen der perfekten Sicht. Zum anderen um einmal diese unglaubliche Hitze zu spüren die von einem solchen  Vulkan ausgeht. Ja, wenn man da so rüber kreist spürt man die aufsteigende Hitze und kann sich sehr gut vorstellen wie heiß es da unten sein möge. Es ist einfach toll.

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Hier mal noch ein Bild welches nur entstehen kann, wenn man ohne Türen unterwegs ist. Ein Fuß auf der Kufe und dann direkt nach unten fotografiert.

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Lava überall. Mehr oder weniger flüssig.

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Nach einiger Zeit und einigen Runden über dem Vulkan ging es dann direkt zurück nach Hilo.

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Am nordwestlichen Stadtrand von Hilo überflogen wir dann noch das Gebiet der Rainbow Falls. Eine ganze Reihe von Wasserfällen eingebettet in tropischen Regenwald.

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Nach einigen runden über diesem Gebiet ging es zurück zum Flughafen Hilo. Dabei gab es noch einige schöne Ausblicke über die Stadt und über die Hilo Bay. Hilo ist die Hauptstadt des Hawaii County, und somit der gesamten Insel Big Island. Wer jetzt eine große Stadt erwartet hat weit gefehlt. Hilo hat gerade mal 47.000 Einwohner. Damit ist Hilo zwar die größte Stadt auf Big Island. Jedoch hat alles einen sehr ländlichen, dörflichen Charakter.

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Im Anflug auf den Hilo International Airport konnten wir uns über den ausufernden Flugbetrieb überzeugen. 🙂

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Viel zu schnell, nach ca. 55 Minuten war unser Flug dann beendet. Noch etwas benebelt von den gerade erlebten Eindrücken entstand dann ein letztes Bild vor unserem Fluggerät Hughes MD500E, gemeinsam mit unserer Pilotin Joyce.

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Noch ein letztes Wort zu den Fotos.
Im Rahmen einer solchen Fluges hat man für jedes Bild ja immer nur eine Chance. Man muss sich auch irgendwie entscheiden, welches Fotoequipment man mitnimmt. Fest stand, das Dani oder Max die kleine Nikon 1 nehmen. Ich habe natürlich die Nikon D750 mit an Bord genommen. Aber für welches Objektiv entscheidet man sich? Hier muss man sich einfach vorher festlegen. Vergessen sollte man den Gedanken da oben während des Fluges mal eben das Objektiv zu wechseln. Zum einen ist es windig, ab und zu auch etwas nass. Wackeln tut es auch. Und natürlich darf man nichts mit nehmen, was nicht irgendwie am Körper festgebunden ist. Zu groß ist die Gefahr das der Gegenstand  (Handy, Fotoapparat etc.) einem aus der Hand geschüttelt oder geweht wird und dann den ungebremsten Weg Richtung Erde antritt. Also muss vorher das Objektiv entscheiden sein. Und wenn man dann für gewisse Szenen das falsche Glas dran hat ist das eben so. Man soll ja den Flug genießen.
Ich hatte mich für das Tamron 150-600mm entschieden. Unterm Strich betrachtet zu viel Brennweite. Irgendwas mit 30-150mm wäre perfekt. Aber so ist es eben.
Auch lustig der Versuch die Kamera bei 80 Knoten Geschwindigkeit (150km/h) aus dem Helikopter zu halten um Fotos zu machen. Also Fuß auf die Kufe und komplett rausbeugen zum fotografieren ist nur möglich, wenn man über Objekten schwebt oder sich langsam bewegt. Im normalen Reiseflug gelingt einem das nicht wirklich.

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Mit diesem Bild des arbeitenden Fotografen will ich den Bericht jetzt beenden.

 

Mit dem Helikopter ueber Hawaii

2 Comments

    • Sabi, das kann man uneingeschränkt empfehlen. Jedoch gehört eben auch etwas Glück dazu. Wetter, Aktivität des Vulkans usw.. Deswegen generell den Flug relativ am Anfang des Urlaubs legen. Dann kann man diesen zur Not immer mal noch nach hinten schieben. Also nicht als krönendes Urlaubsfinale aufheben. Das könnte schief gehen.

      Liebe Grüße
      Lars

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