Hawaii. Pazifik, Surfen, Vulkane und Palmen. Wer denkt in diesem Zusammenhang in irgend einer Weise an Autos, an Autofahren, an einen Roadtrip?

Nun. Ich möchte es einmal so beschreiben. Man sollte niemals die Größe einer scheinbar kleinen Insel unterschätzen. Betrachten wir ganz einfach Big Island Hawaii. Die größten Ausdehnung dieser Insel beträgt gerade mal 150km. Also eigentlich nicht wirklich viel. Aber eben auch alles nur relativ gesehen.
Betrachtet wir jetzt mal unseren Urlaubsort Pahoa. Möchte man von da aus nur ins quasi nachbarschaftlich gelegene Hilo bedarf es einer Fahrstrecke von einfach 35km. Möchte man gar nach Kona oder Hawi, stehen jedesmal einfache Fahrstrecken von etwa 150km auf dem Program. In einem zweiwöchigem Urlaub auf Big Island legt man problemlos um die 2.500km zurück. Dabei ist auch, zumindest aus deutscher Sicht, zu beachten dass es keine Autobahnen gibt. Das Tempolimit auf den Highways liegt bei maximal 55 mph. Umgerechnet sind das sagenhafte 89 km/h. Möchte man also von Pahoa nach Kona sollte man mit einer Fahrzeit von ca. 2 Stunden rechnen. Es kann auch schneller gehen. Hat man jedoch einen Termin, Flughafen etc., dann sollte man immer mit diesen 2 Stunden rechnen. Was ich jeden Big Island Urlauber (und auch aus Erfahrung Kauai und Maui) mit auf den Weg geben möchte. Achtet auf die korrekte Wahl des Mietwagens. Man sollte auf diesen Inseln niemals das billigste, kleinste und schwächste Fahrzeug nehmen. Ihr werdet mehr Zeit als eventuell vorher gedacht im Auto sitzen. Ihr werdet euch selbst dafür hassen, den günstigen Nissan Versa oder Kia Rio mit Minimalausstattung und 80PS gewählt zu haben. Damit machen zum einem die über 2.000km keinen Spaß. Zum anderen ist es doch eher qualvoll mit einem solchen Auto die bis zu 2.800 Höhenmeter zu überwinden. Und ganz hoch auf den Mauna Kea geht’s damit sowieso nicht. Mit einem solchen Hobel ist am Onizuka Visitor Center in 2.800m Höhe Schluß. Ab hier geht es nur noch mit Allrad weiter.
Und damit kommen wir zur ganz klaren Empfehlung für einen solchen Big Island Urlaub. Bodenfreiheit + Allrad. So kann man es kurzum Beschreiben. Denn nicht jede Straße ist perfekt ausgebaut. Nicht jede perfekt ausgebaute Straße bleibt in ihrem Verlauf eine ausgebaute Straße. Und natürlich kann man mit einem Allradfahrzeug hier und da schon auch Spaß haben auf Big Island. Es gibt Küstenabschnitte und abgelegene Strände die man nur über große Lavafelder erreicht. Und da benötigt man eben etwas Bodenfreiheit. Meine Empfehlung derzeit. Jeep Wrangler. Ist bei den meisten Vermietern zu durchaus brauchbaren Konditionen zu bekommen.

Eine andere Empfehlung ist auch, die Insel mal mit einem sportlichen Cabrio zu befahren. Das ist ganz klar nicht meine Empfehlung für 2 Wochen. Man ist einfach zu eingeschränkt. Aber für einen Tag oder von mir aus auch 3 Tage ist das ein auch sehr schönes Urlaubserlebnis. Ich hatte diesen Urlaub die Möglichkeit das einen Tag lang zu genießen. Kurzfristig hatte sich mein Hawaii Aufenthalt um einen Tag verlängert. Ich habe den Wrangler wieder abgegeben und habe mir für diesen einen Tag ein Cabrio gemietet. Auf dem Hof von Alamo durfte ich dann zwischen Ford Mustang und Chevrolet Camaro wählen. Ich habe mich für den Camaro entschieden. Selbstverständlich kein V8. Sowas sucht man auch bei den US Vermietern fast vergeblich. Ein 3.6Liter V6 mit 323PS werkelte unter der Haube. Dazu die obligatorische 6 Stufen Automatik.

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Wozu jetzt also so ein Auto auf Big Island? Wo ich doch vorher ganz klar ein Allrad Fahrzeug empfehle.
Es gibt auf Big Island großartige Straßen. Es gibt Straßen die gehen Kilometerlang geradeaus. Es gibt aber auch Straßen mit vielen, vielen Kurven.  Das schöne ist. Es ist selten viel Verkehr. Aufgrund des Wetters kann man fast immer mit offenem Verdeck fahren und alles einfach richtig genießen.

Beginnen möchte ich den kleinen Roadtrip in Kehena. Das ist nochmals etwas südlich von Pahoa. Traumhaft am Meer gelegen.

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Weiter geht es auf dem Weg nach Pahoa. Eine der schönsten Straßen die ich kenne. Mit dem Cabrio durchaus noch ein bisschen besser als mit einem Jeep.

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Kommen wir nach Pahoa. Hier wollte ich unbedingt noch ein Stückchen jüngster Hawaii Geschichte mitnehmen.
In dem Blog Beitrag Naturgewalten-Kilauea vom Oktober 2014 hatte ich ja über einen Ausbruch des Vulkans und eine Änderung der Flußrichtung der Lava berichtet. Der Lavastrom floß  direkt auf Pahoa zu. Damals zerstörte die Lava den Friedhof von Pahoa und ich glaube 3 Häuser. Danach kam der Strom quasi in der Ortschaft zum erliegen.
Um sich einfach mal einen solchen, relativ neuen, Lavastrom anzusehen kann man in Pahoa auf die Apa’a Street fahren. Diese wurde  auf einer Strecke von 150 Metern von der Lava überrollt. In der Zwischenzeit ist die Straße wieder befahrbar. Aber man kann sehr schön einen Blick auf die Größe eines solchen Lavastroms werfen. Und man sieht wie sich diese zähe Masse so aufgetürmt hat. Wo vorher der Friedhof war ist jetzt nur noch eine schwarze Wüste geblieben.

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Was man in Hawaii immer beobachten muss ist der Himmel. Besonders mit einem Cabrio.
Relativ unvermittelt kann es anfangen zu regnen. Gerne auch mal in sintflutartiger Form. Also sollte man gleich zu beginn der Mietperiode einmal genau testen was alles zu tun ist und wie lange es dauert das Verdeck des Autos zu schließen. Beim Camaro stellte ich dann recht schnell fest, das man das Verdeck tatsächlich nur im Stand betätigen kann. Und das es auch nicht funktioniert, wie im BMW, den Knopf schon zu betätigen und sobald die Geschwindigkeit passt, oder man eben steht, beginnt das Verdeck sich zu schließen. Nein, man muss den Knopf wieder loslassen und nochmal neu betätigen. Das alles sind Erfahrungen, die man am besten vor dem ersten großen Regen macht.
Es ist auch ziemlich gewagt das Auto mit geöffnetem Verdeck auf dem Parkplatz vorm Supermarkt stehen zu lassen. Das hat nichts mit Kriminalität, Diebstählen oder sonstigem zu tun. Nein, eher eben mit plötzlichem Regen. Man sollte sich auch nicht  von gerade noch blauem Himmel täuschen lassen. Die 10 Minuten im Supermarkt können zu einer 100% Wetterwende führen. Und ruckzuck muss man auf nassen Sitzen platz nehmen.
Natürlich ist das alles immer halb so wild. Und man zögert das schließen des Verdecks bis zum letzten Moment raus. Es kann ja auch ruhig etwas tröpfeln. Bei 28°C ist das grad Wurscht. Wenn der Parkplatz nach einem Regenschauer jedoch so aussieht wie auf dem folgenden Bild, ist man froh das Verdeck geschlossen zu haben.

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Mit diesem Bild sind wir schon in Hilo angekommen. Traumhaft gelegen an der Hilo Bay.

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Von Hilo geht es jetzt weiter ins Inselinnere. Die Saddle Road. Bevor diese erreicht ist, kann man noch schnell einen Zwischenstopp bei den Rainbow Falls am Stadtrand von Hilo machen.

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Die Saddle Road. Diese Straße stellt die Ost-West Verbindung der Insel dar. Möchte man von der Ostküste an die Westküste (oder umgekehrt) dann ist immer die Saddle Road die kürzeste Strecke. Alternativ dazu kann man noch die Hawaiian Belt Road nutzen. Diese führt einmal um die Insel herum. Jedoch ist dies immer mit mindestens der doppelten Fahrstrecke und Zeit verbunden. In den letzte Jahren wurde die Saddle Road sehr gut ausgebaut. Sie hat somit ihren früheren Schrecken verloren. Galt sie doch als besonders kurvig, bergig und es gab Vermieter die einem die Nutzung der Saddle Road mit ihren Mietautos untersagten. Das ist alles Geschichte. Zum Teil ist alles dreispurig ausgebaut. Amerikanisch großzügig. Derzeit ist nur noch ein kurzes Stück bei Hilo im alten Zustand. Hier sind jedoch die Bauarbeiten schon im vollen Gange.
Die Saddle Road führt zwischen den beiden ruhenden Vulkanen Mauna Kea im Norden und Mauna Loa im Süden hindurch. Den höchsten Punkt erreicht man im Bereich der Abzweigung zur Mauna Kea und Mauna Loa Access Road.  Hier befindet man sich in einer Höhe von 2.033 Metern.

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Diese 3 Bilder sind etwa an der höchsten Erhebung der Saddle Road entstanden. Das erste Bild zeigt den Blick zum Mauna Kea, das zweite den zum Mauna Loa. Interessant hierbei. Man befindet sich hier auf Lavaflüssen eines Ausbruchs des Mauna Loa aus dem Jahre 1881.

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Auch hier kann es mal anfangen etwas zu regnen. Man fährt auch häufig mal direkt in die Wolken hinein. Auch kann es passieren, das man in Hilo bei 30°C startet und da oben nur noch 10°C vermelden kann. Dann ist das Cabriodach am besten zu. Eine dicke Jacke hat man meist nicht griffbereit in Hawaii.

Einige Meilen hinter dem Bradshaw Army Airfield kann man sich zwischen Vergangenheit und Gegenwart entscheiden. Hier gibt es einen Abzweig von der Saddle Road. Während der neue, aktuelle Straßenverlauf gerade aus weiter führt, dreispurig, kann man hier nach rechts abbiegen. Ausgeschildert ist eine Ortschaft mit dem Namen Waiki’i. Man hat hier die Möglichkeit auf einer Strecke von 11 Meilen dem alten, ursprünglichem Verlauf der Saddle Road zu folgen. Ich möchte hier nicht allzu viele Worte darüber verlieren. Schaut einfach selbst.

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Wenn mir auf den 11 Meilen 3 Autos entgegen gekommen sind war das viel. Sonnenschein, 25 Grad. Ein Traum.
Bei unserem letzten Big Island Besuch 2013 war dies noch die offizielle Streckenführung. Der jetzt neue Abschnitt ist erst seit ca. 1,5 Jahren in Betrieb.
Diese Strecke mündet ca. 6 Meilen südlich von Waimea in den Mamalahoa Highway. Über diesen gelangt man direkt nach Kona. Alternativ kann man aber auch noch eine Abstecher über das Städtchen Waikoloa machen und dann auf dem Queen Ka’ahumanu Highway nach Kona fahren. Hier hat man immer wieder spektakuläre Aussichten über teile der Insel und über den Ozean.
Ich konnte sogar bis zur benachbarten Insel Maui schauen und dort die Erhebung des Haleakala Vulkans sehen.  (siehe zweites Bild)

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Das Ende meines Roadtrips war am Kona Airport. Hier habe ich das Auto wieder abgegeben um meinen Flug nach San Francisco anzutreten.

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Appropos Kona Airport. Ja, das Ding hat den Namen Kona International Airport. Es ist aber in Wirklichkeit ein eher sehr beschaulicher Flugplatz. Alle Gebäude sind offen. Man wartet quasi unter freiem Himmel auf seinen Abflug. Alles recht gechillt. Wer am Kona Airport auch gleich seinen Mietwagen in Empfang nimmt und dann auch da wieder abgeben will, sollte diesen so buchen das man ihn mit leerem Tank zurück geben kann. Es gibt im Umkreis gut 10 Meilen keine Tankstelle. Wer zu seinem Flug muss und denkt er könne noch schnell am Airport tanken wird enttäuscht. Mich hat die Suche nach einer Tankstelle dann noch knapp 45 Minuten gekostet. Alles entspannt. Ich hatte genug Zeit. Aber es könnte ja auch anders sein. Und wie es dann in so einem Fall ist. Baustellen mit Wartezeit. Jede Ampel ist grundsätzlich rot. Und man erwischt die eine Tankstelle, welche die American Express Kreditkarte nicht problemlos akzeptiert. Man muss auch da erst zum Kassierer und, und, und…

Damit möchte ich meinen Hawaiian Roadtrip beenden. Ich hoffe ich konnte euch ein Stück mitnehmen auf der 122 Meilen Strecke quer über die Hawaii Insel Big Island.

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Zum Abschluss noch ein Blick auf die Nachbarinsel Maui. Diese schönen Ausblicke rundeten den Roadtrip positiv ab.

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Hawaiian Roadtrip

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