Zu einem Besuch auf Big Island gehört zweifelsohne auch ein Besuch des Mauna Kea.
Das ist kein Strand, keine Kneipe und auch kein Einkaufszentrum. Der Mauna kea ist ein Berg. Besser ein derzeit ruhender Vulkan. Er gilt nicht als erloschen aber als ruhend/schlafend. Es geht also aktuell keine Gefahr von ihm aus.

Mit 4.205m ist es der höchste Berg Hawaiis. Rechnet man, wie bei anderen Bergen auch, die Gesamthöhe vom Fuß bis zum Gipfel so gilt der Mauna Kea als höchster Berg der Welt. Dann sind es 10.205m. 6.000Meter liegen im Falle des Mauna Kea unter dem Meeresspiegel.
Die Höhe sieht man dem Mauna Kea nicht wirklich an. Es ist kein steiles Gebirgsmassiv welches sich in die Höhe reckt. Es ist eher ein relativ sanft ansteigender Kegel.

Gut, also wie komme ich nun auf diesen Berg? Muss man ihn besteigen? Nein, es geht relativ einfach – mit dem Auto.
Am Gipfel des Mauna Kea befindet sich das Mauna Kea Observatorium. 13 Teleskope, betrieben von Institutionen aus 11 Ländern, bilden das wohl bedeutenste Observatorium der heutigen Zeit. Aber warum auf einem 4000m hohem Berg mitten im Pazifik? Ganz einfach. In 4000m Höhe hat man weniger störende Erdatmosphäre mit den Teleskopen zu durchdringen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Dunkelheit. Mitten im Pazifik gibt es kaum störende Lichtquellen von der Erde aus. Es ist keine Großstadt in der Nähe. Und es ist in Tat so. Es ist auf Hawaii in der Nacht richtig dunkel. Kein Lichtschimmer am Horizont. Es ist einfach nur dunkel. Und dann benötigt man ja noch eine Möglichkeit die Teleskope irgendwie auf den Berg zu bringen. Und Aufgrund des Profiles des Mauna Kea konnte man tatsächlich eine Straße nach oben Bauen. Von daher kann man auch als Tourist mit dem Auto nach oben fahren. Zwar mit einigen Einschränkungen aber dazu später mehr.

Um zum Berg zu gelangen muss man natürlich ein Stückchen Anreise in Kauf nehmen. Zuerst führte uns unsere Reise von Pahoa nach Hilo. Dort ging es dann auf den Hwy200, die Saddle Road. Diese wird in Reiseführern und in den Unterlagen der Mietwägen irgendwie als „gefährlich“ bezeichnte. Man soll diese Straße meiden. Kurven, Hügel, schlechte Straße. Naja, für den Europäer eigentlich eine normale Straße. Teilweise in den letzten Jahren sogar 3 spurig ausgebaut.
Trotz allem ist die Saddle Road eine fahrt wert. Fährt man doch innerhalb kürzester Zeit durch unterschiedlichste Klima und Vegetationszonen. In Hilo beginnt man im feuchten, tropischen Klima auf Meereshöhe und arbeitet sich kontinuierlich nach oben.
Kleine Saddle Road Anekdote am Rande.

Ein Teil der Straße ist tatsächlich sehr gut ausgebaut. Neuer Asphalt, 3 spurig, Leuchtmarkierungen. Fast wie eine Runway am Flughafen. Die Einheimischen nehmen diese Strecke scheinbar gern um ihre Autos mal mit mehr als 50mph (80km/h) zu bewegen. Erlaubt sind in den guten Streckenabschnitten 55mph. In den vielen Fällen ist die Geschwindigkeit der Autos aber im Bereich von 80mph (sagenhafte 130km/h) zu finden. Natürlich ist dieser Sachverhalt dem örtlichen Sheriff nicht unbekannt und somit wird die Saddle Road auch rege von Polizei, sowohl in zivil als auch offiziell, befahren. Wer fährt auf Big Island einen knallroten Camaro oder Charger? Richtig. Die Polizei in zivil. Und wenn ein böser Bub entdeckt ist, wird das blaue Blinklicht aufs Dach gestellt und dann geht’s los. Die offiziellen Fahrzeuge sind ja immer recht gut sichtbar. Bunt, viel Licht auf dem Dach und meistens sind es dann doch SUV’s.
Gut, wir fahren also die Saddle Road. Vor uns ein Ford F150. Geschwindigkeit so um die 75mph. Also ich mit etwas Abstand hinterher – Tempomat eingestellt und für Euro Verhältnisse gemütlich die Saddle Road entlang gerauscht. Kurze Zeit später tauchte hinter uns ein Minivan, sowas wie ein Chrysler Voyager, auf. Der kam zügig näher. Na soll er doch dachte ich mir. Er kann ja vorbei fahren. Lange geraden, er könnte überholen. Er tut es nicht. Vielmehr fährt er bis auf gefühlte 50cm auf. Dann kommt die nächste Kurve. Ich durchfahre diese mit meiner eingestellten Geschwindigkeit. Er verschwindet wieder. Auf der Geraden kommt er wieder angefahren. Naja, Kurven fahren ist nicht jedermanns Sache. Das Ganze ging so ne ganze Zeit. Dann kommt wieder ne lange Gerade. Er kommt ran, überlegt und relativ kurz vor der nächsten Kurve setzt er nun doch mal zum überholen an. Auf jeden Fall hatte er auch keine Ahnung zum überholen. Er hatte noch nicht so recht begriffen, das man dazu möglichst schneller als der Vordermann sein sollte. Und wenn die nächste Kurve kommt, das Überholverbot mittels durchgezogener Linie schon wieder erreicht ist, sollte man signifikannt schneller sein. Und dann geschah es. Kurz vor der Kurve kommt uns ein Auto entgegen. Ich weiche auf den Standstreifen aus, er kann auf meine Spur. Und so passierte nichts schlimmes. Das dumme in diesem Fall war nur, das dieses entgegen kommende Auto ein mächtiger Caddilac Escalade in Weiß-Schwarz mit der Aufschrift POLICE war. Hossa. Im Rückspiegel sah ich zuerst die bunte Dachbeleuchtung angehen. Dann Bremslichter. Kurz darauf stieg rauch auf und auf einmal sah man nicht mehr die Rücklichter des Escalade sondern die Frontscheinwerfer. Ich bin gemütlich weiter gerollert, jetzt mit erlaubten 55mph. Der böse Bub floh weiter mit hoher Geschwindigkeit davon – wohl in der Hoffnung das Sheriff „U-Turn“ ihn nicht mehr erwischt. Kurz drauf kam der Escalade an uns vorbei gerauscht. Recht Flott mit Licht und Tonsignal. Nach eingen weiteren Meilen fahrt sah man den Escalade am Standstreifen, davor der Voyager. Der Fahrer, ganz wie im Hollywood Film, ans Auto gelehnt. Die Hände ausgestreckt am Dach. Toll – ich liebe Amerika……

Nun aber weiter mit dem Mauna Kea. Es ging um die Anreise. Von Hilo immer schön der Saddle Road folgen. Irgendwann nach ca. 10 Meilen fährt man nur noch durch Geröllwüsten aus Vulkangestein. Dabei geht es kontinuierlich bergauf. Beim Meilenstein 28 biegt man nach rechts in die Mauna Kea Access Road. Diese Straße ist dann weniger gut ausgebaut, kurvig und mit ordentlichen Anstiegen versehen. Nach 6 Meilen erreicht man die Mauna Kea Visitor Information Station oder auch Onizuka Center for International Astronomy (benannt nach Ellison Shoji Onizuka, ein amerikanischer Astronaut der 1986 bei der Challenger Katastrophe ums Leben gekommen ist). Dieses befindet sich in ca. 2.800m Höhe. Von Hilo aus benötigt man bis hier her ungefähr eine Stunde.
Hier kann man sich umfassend über, ich sage jetzt mal salopp, Sonne, Mond und Sterne informieren. Auch kann man sich darüber informieren wie man jetzt von hier aus zum Gipfel weiter kommt. Mit normalen Mietwägen ist die weiterfahrt zum Gipfel laut Mietvertrag untersagt. Bzw. man macht dies auf eigene Gefahr. Für die meisten Touristen ein Grund hier unzukehren oder eine geführte Tour zum Gipfel zu buchen.
Wir sind natürlich nicht umgekehrt. Der Sachverhalt war vorher bekannt. Und wir wollten ja auch noch ein Stück wandern zum Lake Waiau.
Also haben wir nach einer kurzen Pause die Reise fortgesetzt. Kurz hinter der Station stehen große Warnschilder die vor der weiterfahrt warnen. Die Weiterfahrt ist generell nur mit einem 4×4 Fahrzeug erlaubt und den Allrad Antrieb soll/muss man auch aktivieren. Mit einem Fahrzeug mit 2 Rad Antrieb ist die Weiterfahrt schlicht und einfach verboten.
Die Asphaltierte Strecke endet hier. Jetzt geht es auf einer holperigen Schotterpiste weiter. Jedoch ist diese relativ breit. Es können hier auch LKW’s entlang fahren. Insgesamt keine Herausforderung. Nach ca. 3 Meilen Buckelpiste und Schrittgeschwindigkeit beginnt wieder eine gut ausgebaute Asphalt Strecke – bis zum Oberservatorium.  Die ganze Zeit geht es teilweise sehr steil bergauf. Bei einer Höhe von ca. 3.700 Metern war unsere Fahrt vorerst zu Ende. In einer kleinen Parkbucht stellten wir unser Auto ab. Von hier an wollten wir zum Lake Waiau. Einem heiligen Bergsee.


An sich kein großes Ding. Vielleicht 150 Höhenmeter waren zu überwinden. Das Ganze sollte kein großes Ding werden. Jedoch stellte sich schnell herraus, das unsere Körper die rund 40% weniger Sauerstoff in dieser Höhe durchaus vermissen. Man kommt vorran. Jedoch sehr langsam. Und sobald man stehen bleibt hat man das Gefühl das Herz überschlägt sich gleich. Unterm laufen bekommt man das garnicht so sehr mit. Aber sobald man stehen bleibt spührt man, das das Herz auf hochtouren läuft.
Also ging es dann doch eher gemütlich in Richtung des Sees. Durch eine unwirklich wirkende Mondlandschaft. Die Temperatur lag hier oben im Bereich des Gefrierpunktes und es wehte ein eisiger Wind. Trotzdem war das ganze ein sehr schönes Erlebnis. Über einem dieser extrem tiefblaue Himmel. Ohne Sonnenbrille bekommt man die Augen kaum auf. Es blendet sehr stark.


Im Lake Waiau war zum Zeitpunkt unseres Besuches kaum Wasser. Er wird nur durch Schmelzwasser und Regen gespeist. Es gibt keinen Zufluss, keine Quelle und auch keinen Abfluß. Er gilt bei den Einheimischen als heiliger See.
Nach knapp 2 Stunden war unser Wanderausflug beendet. Wir sind wieder am Auto angekommen. Mit der Zeit hatte man sich immer besser an die Sauerstoffarmut gewöhnt. Das laufen ging zum Ende hin schon wieder ganz flott.

Jetzt galt es den Gipfel zu erklimmen. Also ging es erst einmal mit dem Auto weiter in Richtung Observatorium. Bis hinauf auf über 4000 Meter. Auf dem Weg zum  Gemini Telescope, kurz vor dem United Kingdom Infrared Telescope haben wir auf einem kleinen Parkplatz unser Auto abgestellt.

Dort beginnt der Weg zum eigentlichen Gipfel und zum höchsten Punkt des Mauna Kea. Die Außentemperatur lag hier jetzt bei ca. -5°C und es ging ein Sturm, der jedes Wort im Keim erstickte. Wahnsinn. Aber wenn man schon einmal da oben ist, dann muss man auch auf den Gipfel. Das ist Ehrensache.


Also haben wir auch diesen Weg noch gestartet. Ja, man ist auf Hawaii und muss durch Schnee laufen. Das will einem nicht so recht in den Kopf. Und da oben, am Gipfel war es gefühlt noch mal kälter. Der Sturm stürmte noch mehr. Es war arschkalt. Aber wir haben am Gipfel des höchsten Berges auf dieser Erde gestanden. Keine Menschenseele weit und breit. Diese letzten Meter gehen nicht viele Touristen. Er ist auch recht anstrengend. Es geht doch recht steil bergan. Dazu die Kälte, der Sturm und die Sauerstoffarmut.

Die einzigste Person die wir da noch getroffen haben war ein Junger Mann aus Tschechien. Naja, die Welt ist ja so klein – das Deutsche und Tschechen sich am Mauna Kea treffen müssen :). Noch heute bekomme ich eine Gänsehaut wenn ich an den Moment denke als wir da oben standen. Klar. Vielleicht 5 oder 10 Minuten. Länger hat man es da nicht ausgehalten. Dann ging es wieder bergab. Aber es war schön, einmalig.

Jetzt war noch ein weiteres Highlight geplant. Die Beobachtung des Sonnenuntergangs vom Mauna Kea aus. Dazu musste man sich zuerst mal grob orientieren wo denn der Untergang in etwa stattfinden wird. In diese Richtung musste natürlich, strategisch günstig das Auto platziert werden. Die ganze Zeit draußen stehen ist nicht die optimale Lösung bei dem Sturm und diesen Temperaturen.
Also habe ich uns ein Plätzchen neben dem Gemini Telescope gesichert.

Somit war ein ungehinderter Blick auf den Sonnenuntergang gesichert. Eigentlich. Diesen Plan hatten wir jedoch ohne die Wolken gemacht. Gerade an dem Tag gab es einen Wetterumschwung und wir konnten die Sonne nicht im Ozean verschwinden sehen sondern sie verschwand in den Wolken. Dies war zwar nicht der geplante und gewünschte Ablauf. Trotzdem war es ein sehr schönes Erlebnis und ich kann nur jedem Hawaii Reisenden dieses „Event“ empfehlen. Einmalige Farbenspiele am Himmel, in den Wolken. Traumhaft.

Spätestens 1/2 Stunde nach Sonnenuntergang müssen alle Autos das Observatorium verlassen haben und sich auf dem Weg Richtung Tal befinden. Der Grund dafür sind die Scheinwerfer und das Licht. Dies stört wohl irgendwelche Teleskope. Wir haben dies dann auch relativ schnell gemacht. Es geht dann sehr schnell. Innerhalb von wenigen Minuten bricht die Nacht und somit die Dunkelheit über den Mauna Kea herein.
Die Abfahrt selbst ist dann im Dunkel der Nacht recht unspektakulär. Man merkt nur am Druck in den Ohren das es stetig bergab geht.
Am der Visitor Information Station gibt es nun noch kostenlose Himmelsbeobachtungen mit großen mobilen Teleskopen. Dies wollten wir auch tun. Sogar meine Frau bekundete Interesse einmal ins All zu gucken. Ich hätte dies auch sehr gern gemacht. Jedoch passierte was passieren muss. Das Onizuka Center gilt als einer der sichersten und besten Orte um Sterne zu beobachten. An 29 Tagen im Monat hat man von hier, in 2.800m Höhe, freien Blick Richtung Himmel. Und wir waren genau an dem einen Tag im Monat da, an dem es statistisch bewölkt ist. Bravo. Es hat sogar geregnet. Also sind wir da gleich durch gefahren und haben die Heimreise angetreten.

Ziemlich fertig sind wir dann gegen 21 Uhr wieder in Pahoa angekommen. Bei einem Glas Wein konnte man das erlebte noch einmal Revue passieren lassen.

Ein traumhaft schöner Tag auf dem Mauna Kea.

 

Hier gibts es mehr Bilder in 4k Qualität.

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