Seit nunmehr etwas über einem Monat zählt ein BMW M6 Cabrio zu unserem Fuhrpark. Hier jetzt mal ein paar bisherige Eindrücke zusammengefaßt. Nach einem Monat kann man dies ja durchaus machen.
Wie es zu dem Fahrzeug kam habe ich ja bereits in einem anderen Beitrag geschrieben.
Was ich noch nicht geschrieben habe ist der Fakt, das natürlich auch dieses Auto wieder einen Namen hat. Wir haben uns wieder mal der alten bayrischen Fernsehserie „Irgendwie und Sowieso“ bedient. Passend zum M kam hier nur der Name „Sir Quickly“, also kurz „Sir“ in Betracht. Also wenn ich im Text mal vom Sir sprechen sollte ist bekannt worum es geht.

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Für alle nicht allzu BMW bewandten Leser hier erstmal vorab ein paar Zahlen zum M6 Cabrio. Das Fahrzeug ist stattliche 4.90m lang und 2.10m breit. Also alles andere als ein Kleinwagen. Ein 7er BMW, eine Oberklasselimousine, ist nur 18cm länger. Gemessen an den Außmaßen kommt das M6 Cabrio sehr geduckt daher. Gerade mal 1,36m hoch. Ein Opel Zafira ist zum Beispiel satte 30cm höher.
Aufgrund der Größe und des schweren Verdecks schleppt so ein M6 Cabrio aber auch ein stattliches Gewicht von 2 Tonnen mit sich rum. Ein Schelm wer hier einen Quervergleich zum gewählten Namen „Sir Quickly“ aus „Irgendwie und Sowieso“ zieht, vorrausgesetzt man kennt diese Serie.
Damit in dem doch großen und schweren Auto keine lange Weile aufkommt hat man ein entsprechendes Herz eingepflanzt. 8 Zylinder, 4.4Liter Hubraum und 2 Turbolader produzieren 560PS und ein Drehmoment von 680Nm. Über ein 7 Gang Doppelkupplungsgetriebe gelangt die ganze Kraft allein an die Hinterachse. Schon auf dem Papier verspricht diese Kombination sehr viel Spaß.

Die Ausstattung vom Sir ist sehr umfangreich. Ich werde hier nicht alles aufzählen. Aber einiges und dazu auch gleich meine Erfahrungen damit

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Beginnen wir mal an der Front des Autos. Hier lassen die Voll-LED Scheinwerfer die Straße in neuem Licht erscheinen. Inklusive Kurvenlicht und Fernlichtassistenten. Das Licht leuchtet die Straße nahezu perfekt aus. Nach dem schon sehr gutem Xenon Licht des X6 dachte ich eigentlich, das es nicht besser geht. Aber ich wurde eines besseren belehrt. Das LED Licht kann es nochmal besser. Das liegt sicher zum Großteil an der Farbtemperatur des Lichtes. Aber man merkt auch generell den Fortschritt. Das Kurvenlicht leuchtet, ohne das man es merkt, immer dahin wo es soll. Beim X6 hat man noch den schwenkenden Lichtkegel gesehen. Beim M6 schwenkt nichts aber irgendwie ist trotzdem alles ausgeleuchtet.  Auch bei Näße ist die Leuchtkraft ausgezeichnet. Um ungefähr 5000% besser funktioniert der Fernlichtassistent. Der ist jetzt sogar schneller als ich es bin. Beim X6 habe ich ihn selten genutzt. Zu unzuverlässig und irgendwie langsam. Jetzt funktioniert es wirklich sehr gut.
Ein weiteres Feature welches ich bisher noch nicht kannte sind die 3 Wischwasserdüsen die die Scheibe bei Bedarf mit Reinigungswasser versorgen. Da bin ich beim ersten mal fast erschrocken. Nicht die üblichen 4 Wasserstrahle kamen mir entgegen. Nein es sind derer 6. Naja, wenn’s hilft. Die Scheibenwischer sind jedenfalls sehr gut. Auch bei höheren Geschwindigkeiten. Das will ich nur mal auch erwähnt haben.
Mit an Bord ist zur Sicherheit natürlich auch eine Alarmanlage. Deren Funktion hat Dani gestern auch gleich mal getestet. Das Auto stand mit offenem Verdeck im Hof. Verschlossen wie es sich gehört. Sie wollte sich nur schnell ihre Mütze vom Rücksitz nehmen. Das mochte der kleine Wachhund vom Sir überhaupt nicht und hat lautstark sein Missfallen geäußert.

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Komfortzugang und Softclose sind auch wieder mit an Bord. Der Fahrzeugschlüssel kann also jederzeit in der Tasche bleiben. Das Auto öffnet und schließt sich ohne Aktivitäten am Schlüssel. Hier stellt man auch einige Änderungen am System fest. Vor allem die Sensibilität des Systems ist geschärft. Der Erkennungsradius ist gegenüber älteren Modellen eingeschränkt worden. Man muss jetzt schon direkt bei der Tür stehen damit sie aufgeht.  Früher konnte man auch noch ein paar Schritte weg sein und eine andere Person hat die Tür geöffnet. Das geht nicht mehr.
Durch Softclose ist das Schließen der langen Türen recht einfach. Man muss sie nicht mit viel Schwung zuziehen. Wie ich finde ein muß bei diesem Auto.
Im Innenraum wird man von weichem Leder empfangen. In unserem Fall in der Farbe Silverstone. Woanders würde man es Weiß oder helles Grau nennen. Aber das wäre zu einfach. Alle erdenklichen Teile sind mit Leder bezogen. Die Mittelkonsole und das ganze Armaturenbrett. Das wertet den Innenraum sehr auf und vermittel durchaus eine Spur von Luxus. Auf Bildern kann man dieses Ambiente nicht richtig transportieren. Dazu muss man schon drin sitzen.
Technisch ist alles an Bord was man braucht oder auch nicht braucht. Von HeadUp Display, über Spurwechselassistent, Surround View bis hin zu Lenkrad und Sitzheizung sowie elektrisch verstellbaren Sitzen.
Appropos Sitze. Unser Sir ist mit Sportsitzen ausgestattet. Keine Komfortsitze. Die Sitze sind erstklassig. Auch ich mit meinen 2 Metern finde die perfekte Sitzposition. Da gibt es rein garnichts aussetzen.
BMW Typisch ist auch das Multimedia und Navigationssystem. Die iDrive Bedienung gilt nicht ohne Grund als eines der besten Systeme am Markt. An dem ganzen System, Connected Drive und all dem Zeug gibt es nichts auszusetzten. Optisch sieht es jetzt auch großartig aus. 2012 wurde hier ja einiges überarbeitet. Mit diversen Effekten und Bling Bling wurde alles der Zeit angepasst. Es macht einfach Spaß hinzusehen.
Am verbauten HiFi System Professional kann ich auch nichts aussetzen. Natürlich gibt es immer besseres. Im Falles von BMW wäre dies das Bang & Olufsen Soundsystem gewesen. Aber ich bin mit dem Pro System zufrieden.

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Erstmals mit an Bord ist Internet und Online Entertainment. Mit dem Internet Browser kann man tatsächlich ganz passabel, mit 3G Geschwindigkeit, surfen. Leider nur im Stand. Wenn der Beifahrer wärend der Fahrt mal was nachsehen will geht dies nicht. Das find ich ziemlich albern. Online Entertainment ist ein durchaus interessanter Dienst. Hier kann man sich über das Internet, über die einschlägigen Streaming Dienste, Musik runterladen. Man kann zu Hause am PC bei diesen Diensten Playlisten erstellen und diese dann im Auto abrufen. Oder eben direkt im Auto schnell nach Lust und Laune nach Musik suchen und diese dann hören. Das finde ich durchaus sehr nützlich. Zumal eventuelle Jahresgebühren beim Streamingdienstleister (z.B. Rara) nicht anfallen. Diese sind durch den BMW Dienst gedeckt.
Über den verfügbaren Sitzplatz in der zweiten Reihe wurde ja schon hinreichend diskutiert. Ja, im 6er Cabrio haben 4 Personen platz. Je nach Sitzposition in der ersten Reihe dürfen die Personen in der zweiten Reihe Beine haben oder auch nicht. Verzichtet man vorne auf etwas ausschweifenden Luxus und gönnt dem Hintermann wenigstens etwas Platz so kann man da hinten sehr komod und bequem sitzen. Wenn meine Frau fährt kann ich als 2 Meter Mensch da hinten schon sitzen. Wenn ich jedoch fahre wird es eng da hinten. Aber auch ich kann etwas nach vorn rutschen und dann geht das hinten auch.
Ausreichend Platz findet man im Kofferraum. Der ist größer als in so mancher Mittelklasse Limousine. Aufgrund des Verdeckkastens ist jedoch die Ladeöffnung etwas eingeschränkt. Größere Kisten werden zum Problem. Aber dazu ist dieses Auto ja nicht gedacht.
Was mich jedoch etwas stört ist der Fakt, das in so einem Auto mit Komfortzugang und allem Schnickschnack keine elektrische Heckklappe verfügbar ist. Zum einen weil es eben so schön praktisch ist. Zum anderen weil die Heckklappe echt schwer ist. Sowohl beim auf als auch beim zu machen bedarf es schon eines gewissen nachdruckes. Zum anderen macht man sich immer dreckig. Ich weis. Luxusprobleme. Aber ich will auch das erwähnt haben.
Kommen wir noch zum Verdeck. Das 6er Cabrio hat ja ein Stoffverdeck. Aus der Vergangenheit sagt man, das so ein Cabrio im Innenraum laut wäre. Das Stoffdach dämmt ja nicht so gut. Hier muss man sagen, das man im Sir durchaus auch bei 200km/h gemütlich reden kann. Das Dach ist so gut gefüttert das kaum ein Unterschied zu einem Blechdach feststellbar ist. Solange man es auf die Windgeräusche bezieht. Andere Geräusche von außen dringen schon deutlicher nach innen. Durchfährt man einen Tunnel ist es schon deutlich lauter als mit einem Blechdach.
Hat man das Verdeck geöffnet kann man im 6er Cabrio auch bei weniger schönem Wetter das offene Fahren genießen. Es geht alles relativ zugfrei von statten. Auch bei 100km/h wird die Frisur nicht zerstört.

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Nun ist aber genug zu den praktischen oder weniger praktischen Dingen gesagt. Kommen wir mal dazu, wie sich so ein Auto fährt.

Zuerst mal muss man unmissverständlich festhalten, das das 6er Cabrio kein reinrassiger Sportwagen ist. Dazu ist er einfach zu schwer und auch zu luxuriös. Vielmehr ist er ein Gran Tourismo mit dem man auch mal sehr flott unterwegs sein kann. Seine Stärke. Das cruisen. Ohne jedoch dabei den Hang zum sportlichen zu verleugnen.

Motor, Getriebe, Lenkung und Fahrwerk auf Comfort. Schon kann man gefühlt den ganzen Kontinent in einer Etappe  durchfahren. Jedoch ist trotzdem alles etwas anders, geschärfter, straffer, ruppiger als in einem normalen 6er. Der Motor ist immer präsent. Der Antriebsstrang säuselt ständig vor sich hin. Permanent wird man daran erinnert in einem M zu sitzen. Gefühlvolles Anfahren? Nicht so einfach. Erst nichts und dann springt der Bock davon. Alles, nur nicht normal. Auch fehlt in diesem Auto jegliches Geschwindigkeitsgefühl. Ohne den permanenten Blick auf Tacho oder HeadUp Display wird der Fahrer sich nur noch kurze Zeit an seinem Führerschein erfreuen können.

Stellt man alle Parameter auf Sport oder gar Sport+ verwandelt sich der M6 vom relativ komfortablen Cruiser in den Bösen Wolf. Lenkung direkt und fest, Fahrwerk steinhart, Schaltung brutal in wenigen Millisekunden. Ein anderes Auto ist geboren. In diesem Zustand ist es dann kaum möglich, das Fahrzeug im normalen Rahmen zu bewegen. Das Auto animiert den Fahrer zum Spaß haben. Nicht unbedingt zum rasen. Aber man will einfach den Motor hören, jeder Schaltvorgang ist ein Genuß. Kurven werden zu Geraden. Jeder Abbiegevorgang endet in einem kleinen Powerslide. Es macht einfach einen riesen Spaß.
Das Fahrzeug liegt satt auf der Straße. Seitenneigung in Kurven gibt es nicht. Alles ist leicht zu kontrollieren. Auch der Übergang zum Powerslide ist sehr gut kontrollierbar. Da wird man durch nichts überrascht.
Ständig begleitet wird das ganze vom derzeit BMW M typischen 8 Zylinder Klang. Sicher nicht das normale, zu erwartende V8 bollern. Nein, hier ist ein etwas spezieller Sound kreiert worden, der aber auch süchtig macht.
Mein Lieblingsspiel damit. Handschaltung. Je nach Geschwindigkeit 3. oder 4. Gang. Zirka 1.500U/min. Dann Gaspedal voll durchtreten und zwischen 2.500 und 3.000 Umdrehungen schlagartig wieder vom Gas runter gehen. Das wird dann mit einer recht überschwänglichen Geräuschkulisse in Form von schießen, rotzen, einfach geil, belohnt. Bevorzug anzuwenden ist diese Technik natürlich unter überdachten Fahrbahnen, weithin auch Tunnel genannt.

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Derzeit rollt unser Sir ja auf 19″ Pirelli Winterreifen. Hier muss man ganz klar sagen, das diese mit der Leistung des V8 einfach nur überfordert sind. Selbst auf trockener Straße ist ein volles Beschleunigen nicht möglich. Auch bei 220km/h wird jeder zügigere Beschleunigungsversuch durch hilfloses Dauerblinken der DSC Lampe quittiert. Von nasser Fahrbahn wollen wir nicht erst sprechen.
Jetzt kommt wieder der Moment der Allrad Fanatiker. Mag sein das dies Sinn machen würde. Aber mehr Spaß macht es so. Und es ist auf eine Art auch sicher. Es zeigt dem Fahrer sofort die Grenzen auf, die er nicht überschreiten sollte. Alles was man irgendwie beschleunigt, egal ob mit oder ohne Allrad, muss man auch wieder bremsen können.

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Ich warte jetzt auf jeden Fall sehnsüchtig auf den Frühling. Mit den Sommerreifen sollte endlich die volle Performance des Fahrzeugs abrufbar sein. Auch freue ich mich darauf das Auto dann endlich mit den schwarzen 20″ Felgen und den breiten Sommerreifen zu sehen. Das wird dann nochmal etwas anders. Optisch wird er dann wohl oder übel zur Drecksau. Vielleicht kommt dazu auch noch eine komplett schwarze Niere.

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Damit möchte ich den Bericht erst einmal beenden. Die Fortsetzung folgt in einigen Wochen, wenn es dann auch Bilder mit Sommerreifen und bei noch schönerem Wetter gibt. Vielleicht kommt ja auch noch das ein oder andere Video dazu.

In diesem Sinne allen eine schöne Woche
Lars

 

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