…eine Kreuzfahrt die ist schön.
So kennt man den Spruch (oder ist es ein Lied?).
Und genau nach diesem Motto haben wir uns zum ersten Mal in das Abenteuer einer Kreuzfahrt gewagt. Eine völlig neue Erfahrung für uns. Aber eines gleich vorweg. Es hat sich gelohnt und wir werden sicher Wiederholungstäter werden, die Planungen laufen schon.

Gut, was gab es nun auf unserer Kreuzfahrt zu sehen. Um es kurz zu umschreiben. Relativ viel.
Uns zog es wieder nach Fernost. Singapur, Malaysia und Thailand. Das ganze mit nur 2 Seetagen. Dafür fast jeden Tag an einem anderen Ort. Um sich mit Kreuzfahrten anzufreunden sicher keine schlechte Alternative. Zur Not muss man dann ja fast nur schlafen auf dem Schiff.
Bevor jedoch die Reise mit dem Schiff beginnen konnte musste erstmal der Weg zum Start-Hafen genommen werden. Damit beauftragten wir Singapore Airline. Von München ging es über eine Strecke von etwas über 10.500km direkt in knapp 12 Stunden nach Singapur.
Hier, am Singapore Cruise Center, begann dann quasi unser Kreuzfahrt Abenteuer.

Hier kurz die angesteuerten Häfen in der Zeit vom 23.12.2011 – 06.01.2012.

1.Singapur
2.Kuantan (Malaysia)
3.Laem Chabang, Bangkok (Thailand)
4.Ko Samui (Thailand)
5.Singapur
6.Port Klang, Kuala Lumpur (Malaysia)
7.Phuket (Thailand)
8.Langkawi (Malaysia)
9.Penang (Malaysia)
10.Malacca (Malaysia)
11.Singapur

Also relativ viel Abwechslung. Vom Tempel Overkill bis hin zum Badestrand war alles dabei. Unsere Landausflüge haben wir alle selbs gestaltet. Die Angebote des Veranstalters haben wir allenfalls zur Ideenfindung und Routenplanung genommen. Allesamt fanden wir zudem ziemlich überteuert. Aber dazu später noch.
Auf jeden Fall hatten wir nun in Singapur das erste mal Kontakt mit „unserem“ Kreuzfahrtschiff. Es ist schon recht beeindruckend das erste Mal vor so einem großen „Boot“ zu stehen. Dabei zählte es ja noch zu den eher Mittleren. Maximal rund 1.300 Passagiere und rund 650 Mann Besatzung finden Platz.
Gefahren sind wir demnach quasi mit einem Oldtimer der Kreuzfahrt. Unser Zuhause für die Zeit der Kreuzfahrt war die Costa Classica. Ein Schiff, gebaut 1991. 220 Meter Lang und 31 Meter Breit.
Strahlend Weiß lag sie im Hafen von Singapur vor uns. Das war schon ein schöner Anblick.

Kommen wir zum Schiff und zum Veranstalter Costa.

Wie bereits geschrieben zählt die Classica wohl zu den Oldtimern der Weltmeere. Dies hat sicher Vor- und Nachteile. Man sieht es der Einrichtung des Schiffes natürlich an, das es nicht mehr ganz taufrisch ist. Jedoch würde ich sagen das der gesamte Zustand, wenn man das Alter betrachtet, durchaus als sehr gut zu bezeichnen ist. Auch die Sauberkeit an Bord ließ keine Wünsche offen. Alles wurde immer ordentlich geputzt und in Schuß gehalten.
Ein Vorteil der Classica sind die im Verhältnis zu neueren Schiffen noch recht großzügigen Kabinen. Wir hatten eine Innenkabine, ohne Fenster. Die Kabine hatte eine Größe von ~20m². Auf neueren Schiffen muss man da laut Beschreibung mit etwas weniger Platz auskommen. Somit passte in diesem Bereich alles. Auch das Bad war in einem guten Zustand. Alles sauber und ordentich.
Nachteil des älteren Schiffes war zweifelsfrei der, nennen wir es mal, Freizeitunterhaltungswert. Auf neueren Schiffen gibt es Kinos, Basketballplätze, Golfsimulatoren, Tontaubenschießen, Playstationzimmer und was weis ich alles. Auf der Classica muss man ohne all solche Dinge auskommen. Ein viel zu kleines Fitnessstudio, ein permanent auf gefühlte 0 Grad temperierter Saal für abentliche Shows, zwei Pools, eine Tischtennisplatte und eine Hand voll Spielautomaten müssen zur Freizeitgestalltung genügen.
Auf unserer Route stellte dies absolut kein Problem dar, da wir ja fast jeden Tag an Land konnten. Auch können wir uns an einem guten Buch erfreuen und die Zeit totschlagen. Ich denke aber, das es durchaus Leute gibt, die mit den gebotenen Möglichkeiten auf der Classica nicht so recht ohne lange Weile auskommen.
Dem Schiff an sich würde ich trotzdem die Note Gut geben. Es hat auch einen gewissen Charme und irgendwie habe ich mich auch sofort richtig wohl gefühlt auf dem Kahn.

Kommen wir nun zur anderen Seite. Zu Costa. Eingentlich hat man es ja vorher wissen müssen. Costa = Italienisch = Laut = Unorganisiert = Chaos.
Und genau so kann man es in einigen Teilen durchaus auch beschreiben.
Fangen wir mal mit dem anwesenden Passagieren an. ich würde sagen zu 70% Italiener, 10% Franzosen, 10% Russen und der Rest verteilte sich auf Deutsch (D,AT,CH), Australien, Kanada, Sweden und einige Asiaten. Zu hören waren immer nur die Italiener. Normales Unterhalten geht ja nicht. Es muss immer ausufern, egal ob in der Sonnenliege, auf dem Gang oder beim Essen.
Unterstütz wurden sie von der italienischen Crew. Man kann Lautsprecherdurchsagen durchaus in einer Lautstärke anbieten das es einen nicht von der Sonnenliege weht. Nicht so bei Costa. Ich denke der Chinese hatte sein Militär schon in Bereitschaft da er einen Angriff von See erwartete. Dabei wollte uns die nette Costa Besatzung nur mitteilen, dass das Abendessen für den 18 Uhr Gang fertig ist.
Noch besser wird es wenn Lautsprecheransage und Animationsprogramm zusammenstoßen. Hier dürfte es schon nahe am Tzunamialarm gewesen sein.
Man stelle sich folgende Situation vor. Es ist Nachmittag, die Sonne scheint. Animation, sprich Tanzstunde am Pooldeck. Als wenn das umhergespringe von 60jährigen Italienerinnen, welche versuchen Mambo zu tanzen, nicht schon schlimm genug wäre, gesellt sich noch ein etwa gleichalter asiatischer Herr mit kurzen Hosen, schwarzen Wanderschuhen und Socken bis zu den Knien hochgezogen mit dazu. Ja, das ist Eleganz in Vollendung.
Die Musik dröhnt sowieso schon in einer Lautstärke, das Unterhalten nicht mehr wirklich möglich ist. Unterbrochen wird der Krach nur, wenn Leonardo, der Tanzlehrer für alles, seinen 10 Schäfchen Anweisungen gibt. Kurz darauf wieder dröhnende Musik. Und dann geschieht es. Eine Lautsprecherdurchsage, mitten in die Tanzstunde rein. Natürlich stört die Ansage das empfindliche Taktgefühl der 10 Grazien auf der Tanzfläche. Jeder Tanzlehrer hätte aus Rücksicht auf seine Schützlinge jetzt den Untericht kurz unterbrochen und nach den Ansagen weiter gemacht. Nicht so Leonardo, der Tanzlehrer für alles. Nein, so einfach geht das nicht. Er verschwindet kurz ums Eck zum Schrank der Soundanlage und versucht fortan mit seiner Musik die Lautsprecherdurchsage zu übertönen. Spätestens jetzt dürfte im 300 Seemeilen entfernten Haafen von Laem Chebang jeder gewußt haben das bald die Italiener kommen.
Ähnlich erging es uns immer beim Abendessen. Wir saßen an einem runden Tisch mit Deutschen, einem Schweizer und Österreichern. An sich eine nette Mischung. 10 Personen. Jedoch war es nicht möglich einem Gespräch auf der anderen Seite des Tisches zu folgen. Es saßen ja auch 300 Italiener um einen rum. Man begnügte sich dann mit Gesprächen mit dem direkten Nachbarn, allenfalls noch 2 Personen weiter.
Um das italienische Tischgefühl noch zu verstärken half die Crew auch hier fleißig mit. Jeden zweiten Tag sprangen Fotografen vom Schiff rum und mussten Fotos machen. Sie gaben sich auch keine Mühe eventuell gerade essende Personen in Ruhe zu lassen. Es kam auch vor, das mitten in den Hauptgang laute Musik ertönte und 3 Kellner auf einmal auf einem Tisch tanzten. So als Showeinlage. Es ging auch mitten im Hauptgang das Licht aus und es wurden alle zur Polonaise aufgefordert. Die Italiener hat’s gefreut – die fanden das Spitze. Wir haben uns nur kopfschüttelnd angesehen und haben es mit Anstand ertragen.

Ja, so ist es auf einem Costa Schiff. Immer Lustig mit viel Trubel.

Kommen wir zu den kulinarischen Erlebnissen an Bord der Costa Classica.
Hier wähnte man sich ab und zu im falschen Film.
Fangen wir mit dem Frühstück an. Kurz, es sah jeden Tag gleich aus, das Bufett. Man hätte mit verbundenen Augen jeden Tag das selbe gefunden.
Etwas Wurst, etwas Käse, Pfannkuchen, Kartoffelecken, 4 Sorten Marmelade, 2 Sorten Melone und ab und zu etwas Ananas, Brot, Brötchen und Butter. Jeden Tag immer das selbe am selben Fleck. An einem zweiten Bufett waren etwas Joghurt und einige Kuchenteilchen aufgebaut. Das war’s.
Freilich, der Mensch braucht nicht mehr zum leben. Und Hunger musste man auch nicht leiden. Aber irgendwie erwartet man auf einer Kreuzfahrt mehr. In einer Ecke stand auch noch ein überforderter Eierbräter rum. Doch da habe ich mich nie angestellt. Das war mir zu blöd.
Das Mittagessen haben wir nur zwei Mal an Bord erlebt. Das war eigentlich so weit in Ordnung. Hier wurden zum Beispiel Nudeln frisch zubereitet. Und das können ja die Italiener.
Nachmittags gab es dann immer noch eine Art Teatime. Da gab es durchaus leckeren Kuchen und Torte. Das war mitunter schon das kulinarische Highlight des Tages. Hier war immer was leckeres zu finden und man konnte sich den Wanst mit süßen Leckereien vollschlagen. Auch gab es durchaus wohlschmeckende kleine Sandwitches. Ja, das war immer gut.
Das tendeziell größte Disaster wartete immer zum Abendessen auf uns. Über die Geräuschkulisse in dem Saal habe ich ja bereits geschrieben. Nun erwartet man natürlich, im Anzug und festlichem Kleid dasitzend, ein entsprechendes Essen. Jedoch konnte es nur ganz selten qualitativ überzeugen. Es kam auch vor das man einzelne Gänge wegen Ungenießbarkeit stehen lassen musste. Ich bin nun wirklich nicht wählerisch und mäckelig. Aber ab und zu blieb es einem im wahrsten Sinne des Wortes im Halse stecken. Zur Ehrenrettung muss man jedoch sagen, dass die Speisen im Laufe der Kreuzfahrt zunehmend besser wurden. Es war noch lange kein Highlight oder etwas besonderes. Aber wenigstens konnte man es essen. Eine extra Pfeffermühle hatte sich unser Tisch schon gesichert. Das war auch nötig. Denn auch wenn das Essen okay war so konnte es immer nich etwas mehr Würze vertragen.
Bei den Getränken passte alles. Wasser, Säfte, Wein, Bier und auch Cocktails. alles war in reichlich Auswahl vorhanden und wurde auch in guter Qualität (vor allem die Cocktails) serviert. Die Preise lagen zwischen 5e und 8€ für einen Cocktail. Das passt in meinen Augen.

Betrachten wir jetzt mal den Service an den Bars.
Hier ein erneutes Trauerspiel. Lustlose Kellner laufen an einem vorbei und es interessiert sie nicht mal ob man denn etwas zu trinken bestellen will oder nicht. Das ist quasi der eine Teil. Es gab aber auch Ausnahmen. So hatten wir einen Herren und eine Dame gefunden die uns dann schon per Namen kannten. Die beiden hatten immer ein Lächeln im Gesicht und man wurde auch relativ schnell bedient. Aber wie gesagt, das war leider die Minderheit. Der Großteil des bedienenden Personals machte eher einen gelangweilten Eindruck und strahlte von vorn herein eine Aura aus die besagt „sprich mich lieber nicht an“.
Kurzum. Ein eigentlich schönes Schiff wird durch, in meinen Augen, katastrophales Management im Dienstleistungsbereich kaputt gemacht. Diese Punkte haben allesamt nix mit einem alten Schiff zu tun. Es ist einfach Unfähigkeit. Hier wird auf die Arbeit und Motivatoion der Angestellten genau so wenig geachtet wie auf die Kleidung der Passagiere an einem „Gala-Abend“ geachtet wird. So kamen doch tatsächlich am heiligen Abend zum Gala Dinner Leute in kurzen Hosen. Normal gehört sowas zurück geschickt. Aber das war egal. Fehlten nur noch die Badehosen. Ich glaube das wäre auch gegangen.

Gut, nun hört sich das vielleicht nach den puren Horror an. So ist es aber nicht. Es war trotz alledem ein wunderschöner Urlaub. Mit einigen Ecken eben. Man muss das beste daraus machen und aufgrund von Urlaubsstimmung kann man schon mal über die eine oder andere Unzulänglichkeit hinwegsehen, mitunter auch mal richtig drüber lachen.
Ich finde es nur unheimlich Schade das so der Ruf der Classica nicht besser werden wird. Obwohl es eigentlich ein richtig schönes Schiff ist.

So, das mal als erster Bericht zu unserer ersten Kreuzfahrt.

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