Wie gewünscht möchte ich hier jetzt noch etwas genauer auf unser Miami Urlaubsfahrzeug eingehen.
Wie in diesem Beitrag geschrieben, hatten wir uns für unseren Miami Urlaub eine Corvette Stingray in der Cabrio Version reserviert. Im Nachhinein betrachtet passt dieses Fahrzeug perfekt zu einem Florida Besuch und ich glaube ich würde es auch wieder genau so machen.

Corvette Stingray

Die Corvette Stingray. Hier in Europa ist dieses Modell ja weitestgehend unter dem Begriff Corvette C7 bekannt. In Amerika, auch beim Vermieter, musste ich mich erst noch einmal über das Baujahr des Fahrzeugs vergewissern das es sich auch über eine ’neue‘ Corvette handelt. Mit der Bezeichnung Corvette C7 konnte da niemand etwas anfangen. In Amerika ist es schlicht und ergreifend die Corvette Stingray. Damit ist alles ab Modelljahr 2014 gemeint.
Was fällt sofort auf wenn man das erste Mal in diesem Auto sitzt? Die Corvette ist keine bisher bekannte Corvette mehr. Der Innenraum ist keine triste Plastikwüste mehr. Nein. Es sieht alles schön aus und es fasst sich auch noch schön an. Hochwertige Materialien, weiches Leder und sogar ein komplett beledertes Armaturenbrett. Respekt. Das sind wirklich Welten – wenn man es noch mit den Vorgänger, die Corvette C6, vergleicht. Und auch vor europäischen Fahrzeugen braucht sich die Corvette Stingray absolut nicht mehr zu verstecken. Das passt. Da knistert nichts, da wackelt nichts. Es lässt sich alles einwandfrei bedienen und es sieht auch noch gut aus. Was will man mehr?

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Aber der Reihe nach. Fangen wir mit den Eckdaten an. Corvette Stingray Cabrio. 4.49m lang, 1.87m breit (ohne Spiegel) und dabei nur 1.24m hoch. Wenn man davor steht ist die Corvette einfach nur flach und irgendwie breit. Das hat was. Da unsere Corvette ein 8-Gang Automatik Getriebe verbaut hatte sollte das Gewicht bei 1.740kg gelegen haben. Wie überall. Cabrio + Automatik = das höchste Gewicht. Man muss jedoch neidlos anerkennen, das dieser Faktor bei diesem Antrieb nun wirklich zu vernachlässigen ist. 100kg hin oder her.

8 Zylinder. 6.2Liter Hubraum. 466PS. 630Nm.

Das ganze ohne jede Hilfe. Kein Turbolader. Kein Kompressor. Einfach nur ein riesiger 8 Zylinder Saugmotor. Das ist irgendwie großartig. Unwirklich. Zumindest in der heutigen Zeit. Und das schöne daran. Man spürt diese schiere Größe und Macht. Allein das betätigen des Startknopfes. Der V8 erwacht mit einem Ruck zum Leben, das ein schütteln durch das ganze Auto geht. Dazu ein satter US V8 Gasstoß. Ich liebe es. Und ich könnte den ganzen Tag nichts anderes machen…
Die Corvette Stingray schafft es damit theoretisch in 4,3 Sekunden von 0 auf 100km/h. Die Höchstgeschwindigkeit ist mit 280km/h angegeben. Das wir dies nicht testen konnten liegt in den USA auf der Hand. Trotzdem muss ich gestehen, das ich der Corvette mal etwas die Sporen gegeben habe. Immerhin etwas über 110mph (177km/h) konnte ich mir nicht nehmen lassen. Es hat auch keiner gesehen – zum Glück.
Generell stellt man sich nach so einer Woche in einer Corvette mit 8 Zylinder Saugmotor die Frage nach dem Sinn der übermäßigen Technisierung unserer Autos. Wozu ein Turbolader? Wozu Downsizing? Es ist absurd. Dieser Corvette fehlt es nie – wirklich nie – an Leistung oder Drehmoment. Dabei ist es völlig egal ob man gerade 4000 Umdrehungen auf dem Drehzahlmesser stehen hat oder nur 1000. Genau so ist es egal ob dabei der erste oder der sechste Gang eingelegt ist. Es funktioniert einfach.
Und hier gleich noch ein paar Zahlen zum nachdenken. Wir sind dieses Auto eine Gesamtstrecke von 643 Meilen gefahren. Das entspricht 1035 Kilometern. Ich habe einmal 17 Galonen und zur Abgabe noch einmal 9 Galonen getankt. Das entspricht, moderner Mathematik folgend, einem Gesamtverbrauch von 26 Galonen. Das wiederum sind 98,4 Liter. Noch bemerkenswerter sind diese Zahlen, wenn man bedenkt das ich immer im Sport Modus gefahren bin und somit weder ein Effizienzprogramm, die Zylinderabschaltung noch irgend eine Start-Stop-Schnickschnack zum tragen gekommen sind.
Angesichts dieser Zahlen darf man sich schon die Frage stellen wozu dieser Wahnsinn, den wir hier in Europa betreiben um irgendwelche Verbräuche und Emissionen zu senken gut sein soll. Und vor allem was dessen Ergebnis sein soll? Da kommt so ein amerikanischer Dampfhammer daher und verbraucht im Alltagsbetrieb keine 10Liter auf 100km. Und auch hier sei jedem Zweifler mal der Verkehr in Miami ans Herz gelegt. Dieser Durchschnitt ist nicht bei 60mph Highway Geschwindigkeit entstanden. Nein. Stop and Go. Ampeln. Stau. Stadtverkehr. Natürlich ging es auch mal problemlos auf dem Highway entlang. Aber genau so wurde das Gaspedal gerade nach einem Ampelstopp auch mal bis zum Bodenblech durchgetreten. Und eins kann ich schon sagen. In Miami ist der Verkehr bei weitem nicht so entspannt und chillig wie zum Beispiel auf Hawaii. Wenn da 55mph stehen dann sollte man schon mindestens 60 fahren um nicht weg geschoben zu werden. Und auch ein wenig Munich Style ist in Miami zu finden. Steht man an einer von rot auf grün umschaltenden Ampel und verpasst das losfahren um 1/10000stel Sekunde wird man mit einem gnadenlosen Hupkonzert befeuert. Also in Miami geht es im Straßenverkehr nicht ganz so andächtig zu wie man es anderenorts aus den USA kennt.

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Aber zurück zur Corvette Stingray. Darum soll es hier ja gehen.
Die Kraft des V8 Agregates gelangt über eine 8 Stufen Wandler Automatik an die Hinterräder. Die Automatik schaltet absolut unauffällig. Ja, nahezu langweilig. Im Automatikmodus kommt im normalen Alltagsbetrieb die Drehzahl selten über 2500U/min. Tiefenentspannung. Stellt man das alles in Sport und Manuell dann kommt auch mit dieser Automatik freude auf. Sie reagiert schnell und zuverlässig auf die Schaltbefehle der Schaltpaddles am Lenkrad. Da gibt es nichts auszusetzen. Was ich jedoch nicht verstehe ist, warum man der Automatik nicht diese glorreichen Zwischengasstöße der handgeschalteten Corvette, mit aktiviertem Rev Match, mit auf den Weg gegeben hat. Das runterschalten ist Emotionslos. Er macht alles auf Befehl und zeitlich korrekt. Aber es fehlt das gewisse etwas. Was ich an der Automatik zu bemängeln habe, ist ein ständiges Rucken beim runterschalten vom 3ten in den 2ten Gang. Da hat es immer einen kleinen Schnackler getan. Ob das nun generell so ist oder nur bei diesem Fahrzeug so war kann ich natürlich nicht beurteilen.

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Akustisch hat so eine Corvette Stingray auch so einiges zu bieten. Damit meine ich jetzt nicht das Bose Soundsystem. Das haben wir nicht einmal getestet. Nein, damit meine ich den V8 nebst der dazu gehörenden Klappen Abgasanlage.
Hier ist ein sehr guter Spagat gelungen. Zum einen verfügt die Corvette über ausgezeichnete Langstreckentauglichkeit. Sie kann richtig leise und entspannend sein. Ist der Gasfuß zurückhaltend ist nur ein leises Hintergrund-V8-Blubbern zu hören. Fast ein Gentlemen. Vornehm zurückhaltend. Aber trotzdem jederzeit bereit. Überschreiten die Drosselklappen im Ansaugtrackt dann aber einen bestimmten Öffnungswinkel, öffnen sich auch die zwei Klappen am Endschalldämpfer. Dann wird aus der zahmen, zurückhaltenden Corvette ein recht laut brüllender Löwe. Jedoch alles ohne das es jemals zu laut wäre. Es passt einfach. Viel wichtiger dabei, es klingt einfach geil.

Corvette Stingray

Und wo ich gerade schon die Langstreckentauglichkeit angesprochen habe. Man sitzt hervorragend in so einer Corvette. Auch ich mit meinen 2 Metern Größe habe ausreichend Platz. Das gilt sowohl für die Beine als auch für den Kopf. Bei geschlossenem Verdeck stoße ich nicht am Dachhimmel an. Es passt noch die flache Hand dazwischen. Das ist zwar dann nicht mehr viel Platz aber es geht. Die Sitze sind sehr gut. Anders kann ich es nicht sagen. Auch nach 3 Stunden Stop and go tut einem nichts weh. Regelrecht bequem ist das Gestühl.
Verglichen mit einem BMW 6er Cabrio geht es bei geöffnetem Verdeck etwas zügiger zu in der Corvette. Das liegt zum einen an dem fehlenden Windschott. Zum anderen war mein Haupthaar schon deutlich in der Luftverwirbelungszone angesiedelt. Wenn man etwas kleiner ist sollte es da aber keine Probleme geben. Richtig stürmisch wird es aber auch erst, wenn man über 60mph schnell wird. Also alles kein wirklich dramatisches Thema.
Ist das Verdeck geschlossen, ist es regelrecht leise in der Corvette. Es scheint gut gefüttert und hält lästige Windgeräusche von den Insassen fern. Jedoch leidet die Rundumsicht deutlich bei geschlossenem Verdeck. Der berühmte Schulterblick ist nahezu Sinnlos. Man sieht sowieso nichts außer des Verdeck. Auch der Blick durch die kleine Heckscheibe lohnt sich nicht wirklich. Sollte es rückwärts gehen dann ist der Blick auf das Bild der serienmäßigen Rückfahrkamera Pflicht. Mehr Spaß macht dagegen der Blick in die Rückspiegel der Corvette. Das weniger um den Verkehr zu beobachten. Nein, vielmehr um diese dicken Backen des Autos im Rückspiegel zu sehen.
Was man im Innenraum kaum findet sind Ablageflächen. In jeder Tür eine kleine Türtasche. In der Mittelkonsole ein kleines Fach, welches aber so flach ist das man da sein Smartphone rein bekommt aber bei einer Geldbörse wird es schon wieder knapp. Dann gibt es noch zwei Getränkehalter in der Mittelkonsole die man eventuell noch für Kleinkram nutzen kann. Ein kleines Handschuhfach. Hinter dem Bildschirm des Navigationssystems gibt es noch ein kleines Geheimfach. Und dann ist die Ablagenexkursion auch schon beendet. Das ist schon recht spärlich.

Corvette Stingray

Sonst gibt es keinerlei Rätsel in der Corvette Stingray. Alles ist einfach und logisch zu bedienen. Ob Sitzverstellung, Licht oder Klimaautomatik. Alles funktioniert logisch und ist einfach zu bedienen. Dabei verzeiht man auch gerne, das unsere Corvette in Florida nicht mit einer Sitzheizung ausgestattet war.
Ach ja. Das Verdeck öffnet und schließt sich in ca. 20 Sekunden. Dabei kann es bis zu einer Geschwindigkeit von immerhin 40mph betätigt werden.

Bemerkenswert für einen Sportwagen ist auch der Kofferraum. Wie ich schon in dem anfangs erwähnten Beitrag zur Anmietung der Corvette geschrieben habe, passte sogar unser Reisekoffer in den Kofferraum der Corvette. Die Maße sind ca. 55cm x 30cm x 80cm. Also schon nicht ganz klein. Dazu passten dann noch zwei Rucksäcke. Darunter auch mein voll gepackter Fotorucksack. Auch hier ist somit ein durchaus ansprechendes Maß an Alltagstauglichkeit vorhanden.

Corvette Stingray

Jetzt noch ein paar Worte zum Navigationssystem.
In der Corvette ist Serienmäßig ein Navigationssystem mit einem großen Touchscreen in der Mittelkonsole verbaut. Das Display ist, wie die gesamte Mittelkonsole, dem Fahrer zugewand und kann selbst bei direkter Sonneneinstrahlung sehr gut abgelesen werden.
Das Bedienung erfolgt über das Touchdisplay selbst oder über einige Hardware Tasten und ein Drehrad unter dem Display. Generell funktioniert das alles recht einfach und logisch. Etwas seltsam ist die Eingabe eines neuen Zieles. Hier muss man irgendwie immer in einem Adressbuch rumfuhrwerken. Aber sei es drum. Hat man es einmal gefunden funktioniert alles bestens. Die eigentliche Navigationsfunktion inklusive der angezeigten Richtungspfeile und Fahrspuren funktioniert tadellos. Nur bei 8 spurigen Highways bei dem sich alles in gefühlt 20 Himmelsrichtungen auflösen kann das System nicht immer ganz korrekt aufzeigen welche Spur nun nötig ist. Aber ehrlich. Das ist mitunter so verwirrend. Das verzeiht man schon mal. Hier sind selbst die Verkehrsschilder häufig nicht so ganz aussagekräftig.

Corvette Stingray

Kommen wir noch zu einem weiteren Punkt. Das Image der Corvette.
Hier in Deutschland ist dieses Auto ja gerne etwas verschrien. Die Ausdrücke will ich hier jetzt nicht zum Besten geben.
In Miami sieht das scheinbar etwas anders aus. Zum einen ist eine Corvette Stingray einfach unglaublich selten zu sehen in Miami. Dagegen ist der Besitz eines Maserati zu vergleichen mit einem VW Passat hier in Deutschland.
Die wahrnehmbaren Reaktionen auf die Corvette Stingray sind ausnahmslos sehr positiv. Das beginnt mit Kopfnicken und Daumen hoch Gesten wenn man an der Ampel steht. Geht über „What a beautiful car“ von älteren Damen in Key Biscayne. Und endet mit positiven zurufen und Handzeichen aus fahrenden Autos.
Um mal ein Beispiel zu nennen. Wir fahren gemütlich irgendwo in Miami/Aventura rum. Verkehr so lala. Ich höre und sehe schon von hinten kommend ein schnelles Fahrzeug.
Unter uns. Abends auf den Straßen von Miami ist das Thema Streetracing nicht so ganz unbekannt. An jeder Ecke Sportwagen von BMW M4 bis Lamborghini Aventador. Und die lassen es schon mal ordentlich knallen. Und da kann man sich nur sehr schwer zurückhalten.
Also irgendwas schnelles hinter uns. Vor mir die Spur frei. Was soll’s. 2. Gang und Drosselklappenöffnung auf 100%. Grinsend geht es rechts am Verkehr vorbei. Das Auto hinten folgt mit ohrenbetäubendem Lärm. An der nächsten Ampel die Auflösung. Lexus RC F. Hochdrehzahl V8 Sauger mit einer arschlauten Abgasanlage. Auch das saugeil. Zwei Typen drin. Sofort Daumen hoch. ‚Nice Car‘ und blablabla.

Das macht einfach nur einen riesigen Spaß!

 

 

Corvette Stingray

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