seit ein paar Tagen bin ich nun Besitzer eines BMW X6 ActiveHybrid.

ich habe mich jetzt zu diesem Blog hinreißen lassen, da das Thema Hybrid ja so langsam immer mehr allgemeines Interesse annimmt. Schreibt man Beiträge in einem Forum so verschwinden diese nach kurzer Zeit im Nirvana und sind nur schwer wiederzufinden.

Ich versuche hier einige Informationen und Fakten zum Thema X6 ActiveHybrid und dessen, durchaus faszinierenden, Technik zusammenzufassen.

Fangen wir an. Unser Hybrid hat äußerlich alle Merkmale, welche BMW dem Hybrid mit auf den Weg geben will. Das ist zum einen die Außenfarbe. Diese hört auf den Namen Bluewater Metallic. Dazu kommen die aerodynamisch Optimierten 20″ BMW Alufelgen welche von BMW Streamline genannt werden. Äußerlich ist der Hybrid sonst nur noch an diversen kleinen Schildchen mit dem Schriftzug „ActiveHybrid“ und an der Motorhaube mit Powerdome zu erkennen.

Dieser mächtige Buckel auf der Motorhaube ist keine Zier. Er ist einfach notwendig um die Leistungselektronik für den Hybridantrieb irgendwie im Motorraum unterzubringen.

Im Innenraum ist von all der Technik auch nichts zu sehen. Einzig eine Hybrid Nutzungsanzeige befindet sich dort im Drehzahlmesser wo sonst bei BMW historisch die Momentanverbrauchs- oder Öltemperaturanzeige sitzt. Das ist dann auch der einzigste Indikator dafür, in einem Hybrid zu sitzen. Wer hier irgendweche futuristischen LED und LCD Anzeigen erwartet, wie in so manchem Hybrid aus Fernost, wird im X6 entäuscht. Alles sieht aus wie in einem „normalen“ X6. Keine Spielereien, keine Experimente.

Was erwartet den Fahrer nun mit so einem Hybrid?

Erst einmal nach dem öffnen per Fernbedienung ein summen und surren von, gefühlt, überall her aus dem Auto. Dies verstummt aber nach kurzer Zeit wieder. Ist man eingestiegen präsentiert sich alles wie bekannt.

Ist der Verbrennungsmotor noch kalt brabbelt nach Betätigung des Startknopfes, wie bisher gewohnt, der V8 Biturbo los. Jedoch vernimmt das geübte Ohr ein etwas anderes Startgeräusch. Der Verbrenner wird ja nicht mit einem Anlasser im herkömmlichen Sinn gestartet. Diese Aufgabe übernimmt beim Hybrid ja einer der Elektromotoren. Dieser bringt den Verbrenner auf Drehzahl. Dadurch entsteht ein völlig ruhiger Startvorgang. Nichts „rattert“ mehr. Der V8 ist einfach an, wie aus dem Nichts.

Jetzt noch die Automatik auf „D“ gestellt und schon kann es los gehen. Ganz wie man es von jedem mit Verbrennungsmotor angetriebendem Auto kennt.

Ist der Verbrenner dann etwas warm (er muss nicht volle Betriebstemperatur haben) kann es unter umständen zum ersten Hybrid Erlebnis kommen. Befindet man sich jetzt im Geschwindigkeitsbereich unter 65km/h kann es dann urplötzlich passieren, dass der Verbrennungsmotor aus geht und man rein elektrisch weiter fährt.
Hierbei ist dieser Umschaltvorgang absolut nicht wahrnehmbar. Einzig der auf 0 fallende Drehzahlmesser ist ein Indiz für das rein elektrische Fahren.
Möchte man jetzt wieder beschleunigen und kommt über die 65km/h hinweg schaltet sich, wieder absolut unmerkbar, der Verbrennungsmotor wieder zu. Einer der beiden Elektromotoren dreht den V8 bereits auf die benötigte Drehzahl hoch. Dadurch entsteht dieser absolut ruckfreie Übergang. Und das erzähle ich nicht, weil es in irgendwelchen Prospekten steht. Nein, es ist wirklich so.
Ein „unwissender“ Autofahrer würde von all dem Hybridzeugs absolut nichts mitbekommen. Einzig der Drehzahlmesser und das fast geräuschlose Dahingleiten sind Indikatoren für das elektrische Fahren.

Laut BMW reicht eine Akkufüllung für 2,5 Kilometer bei 65km/h. Ist man langsamer eben entsprechend auch länger. Häufig wird ja bei Hybridfahrzeugen die eigentlich geringe Nutzung des Elektroantriebes bemängelt. Sicher stellt der X6 an dieser Stelle keine Ausnahme dar. Auch hier würde man sich mitunter leistungsfähigere Akkus wünschen, die am besten unendlich lange halten. Aber die Realität sieht eben anders aus. Allzu schnell bewegt sich der Zeiger der Ladungsanzeige Richtung 0 und der Verbrenner muss wieder eingreifen. So dramatisch negativ sich dies auch anhören mag ist es dann zum Schluß doch nicht.

Mit etwas Hybrid-Übung und geschickter Ausnutzung der Bremsenergie fährt man zum Beispiel in der Stadt locker auch 5 Kilometer oder mehr am Stück elektrisch.
Die Kunst des Hybrid Fahrens liegt irgendwie in der Gleichmäßigkeit. Dabei muss man nicht als Verkehrshindernis umherschleichen. Die Beschleunigung mit den ~80PS starken Elektromotoren reicht locker aus um im Verkehr mitzuschwimmen. Klar, Ampelrennen kann man damit nicht gewinnen. Und dann kommt es nur darauf an, möglichst smooth möglichst viel dahin zu rollen. Möchte man langsamer werden sollte man etwas zeitiger, dafür aber nur ganz leicht, mit bremsen anfangen. Bis zu einer bestimmten Verzögerung wird das Fahrzeug nämlich nur mit Hilfe der Elektromotoren im generatorischen Betrieb gebremst. Und es ist unglaublich wie schnell man damit die Akkus wieder geladen bekommt. In dem Moment kann man der Nadel der Ladeanzeige beim klettern zusehen.

Man kann es also tatsächlich zu seiner persönlichen Challenge machen, möglichst lange elektrisch zu fahren. Natürlich ist irgendwann der Punkt erreicht an dem man wieder den Verbrenner braucht. Aber diesen Moment kann man mitunter weit rauszögern.
Im Stadtverkehr lassen sich somit Verbräuche von 9,5l realisieren. Hier ist auch schon mal der ein oder andere zügigere Ampelsprint eingerechnet.
Nun mag dieser Wert dem ein oder anderen Dieselfahrer ein müdes Lächeln ins Gesicht zaubern. Ich finde diesen Wert für solch ein 2,5 Tonnen schweres Auto im Stadtverkehr aller Ehren wert.

Bei Geschwindigkeiten über 65km/h werden die Elektromotoren zum laden der Akkus und zur Unterstützung beim Beschleunigen genutzt. Das System arbeitet hierbei auch so unauffällig das man von all dem Spaß nicht wirklich viel mitbekommt. Alles passiert irgendwie. Wenn man mal richtig auf’s Gas latscht wird der sogenannte eBoost aktiviert. Sprich alle 3 Motoren schieben die Fuhre mit 485PS und 780NM nach vorne. Ausgebremst wird man, dank Hochgeschwindigkeitsabstimmung, elektronisch bei 250km/h. Lässt man es jetzt wieder gemütlicher rollen oder muss man bremsen werden die Akkus wieder geladen.

All dies funktioniert so gut, das man eigentlich immer Strom in den Akkus hat wenn man ihn benötigt. Ich kann mich ehrlich nicht daran erinnern einmal den Moment erlebt zu haben das der Verbrennungsmotor nicht ausgehen konnte da der Akku leer war. Klar, ausgenommen der Fall das man bereits ewig mit Elektroantrieb unterwegs war und die Akkus dann einfach leer sind. Aber dann benötigt es 500m und 2 Ampeln, inklusive der entsprechenden „Anbremsmanöver“ und schon ist wieder genug Strom da um elektrisch zu fahren.
Wie gesagt, all dies bedingt aber ein Hybrid Freundliches fahren. Da muss man sich am Anfang schon etwas umstellen und anpassen. Aber es funktioniert dann ganz gut.
Meine Frau fährt auch sehr gern mit dem Hybrid. Gerade meint sie „…da bekommt der Begriff „herumstromern“ eine ganz neue Bedeutung…“. Auch Sie achtet darauf und versucht sich etwas auf die „Stromerei“ einzustellen.

Das ganze mag sich jetzt so anhören, als ob wir jetzt nur noch versuchen elektrisch durch die Gegend zu schleichen. Aber es sollte jedem klar sein das es sich bei diesem Auto um ein über 400PS starkes V8 Geschoss handelt. Damit ist es einfach nicht möglich nur langsam zu fahren. Man will auch mal den satten V8 Sound hören und es krachen lassen. Das ist ja irgendwie genau die Stärke dieses Autos. Es kann eben beides, leise und laut.
Alles in allem haben wir momentan einen Durschnittsverbrauch von 12,4l/100km. Nun, für einen 2,5 Tonnen schweres – 485PS starkes Auto ist dies sicher kein schlechter Wert.
Natürlich ist der X6 ActiveHybrid weit davon entfernt ein Sparmobil zu sein. Aber er zeigt recht Eindrucksvoll was möglich sein kann, wenn man beide Technologien miteinander in Verbindung bringt.

Damit möchte ich vorerst diesen Bericht beenden. Ich werde selbstverständlich weiter berichten. Auch das ein oder andere Video werde ich noch nachreichen. Es ist sicher für den einen oder anderen Interessant zu sehen wie das alles arbeitet und funktioniert.

 

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