In den letzten 2 Tagen hatte ich wieder die Gelegenheit ein neues Fahrzeug aus der BMW Modellpalette zu testen.
Unser 5er musste zum Service in die Werkstatt. Das alleine würde ja allenfalls 45 Minuten dauern. Jedoch hatte sich ein Marder an einem Kühlwasserschlauch im Motorraum zu schaffen gemacht. Da dieser Schlauch nicht auf Lager war, musste der Dicke eine Nacht in der Werkstatt verbringen.
Um in dieser Zeit mobil zu bleiben stellte mir das Autohaus einen X3 xDrive20d zur Verfügung. Das hat mich natürlich gefreut da mich der X3, als so vielgelobtes Auto, schon immer mal interessiert hat.
Nun stand er da. Farbe Alpinweiß. 18″ Alufelgen. Abgedunkelte Scheiben. Also nicht häßlich, wie ich finde.
Mit allen Extras, so wie er dastand, kam dieser X3 auf einen stattlichen Listenpreis von kanpp 54.500€. Kein Schnäppchen.

Steigt man ein, erwartet einen ein BMW-typischer Innenraum. Die bekannten 4 Rundinstrumente. Der bekannte eigenwillige Automatikwählhebel. Auch die Bedienung der Klimaautomatik stellt den BMW erfahrenen Nutzer vor keine Rätsel. Alles gepaart mit einer doch recht ordentlichen Verarbeitung und hochwertigen Materialien. Nichts klappert, nichts knarzt.
Einzig die popelig wirkende Einfassung des Navi Bildschirms trübt den Gesamteindruck. Im Fahrzeug war das „kleine“ Navi Business verbaut. Dies kommt mit einem kleinerem Bildschirm aus als das Navi Professional. Hier hätte man sicher eine schönere Einbauvariante finden können.

Schnell hat man auf dem voll elektrisch verstellbarem Gestühl die passende Sitzposition gefunden. Der getestete Wagen hatte die Standartsitze verbaut. Jedoch fällt sofort der Unterscheid zu den Sport- oder Komfortsitzen auf. Man vermisst dieses Gefühl „umschlossen“ zu werden. Und dieses Gefühl verstärkt sich noch, sobald man fährt. Kommt man auf Geraden noch gut mit den Sitzen zurecht so fehlt in Kurven jeglicher Seitenhalt. So sportlich das Fahrwerk des X3 auch sein mag. Mit diesen Sitzen kann man es nicht wirklich genießen. In zügig gefahrenen Kurven hängt man schnell an der Mittelkonsole oder der Türverkleidung. Hier kann ich jedem wirklich die optionalen Sportsitze ans Herz legen. Mit dem Seriengestühl wird der Spaß sehr schnell eigebremst.

Kommen wir zum Motor. Hier ist der 2 Liter 4 Zylinder Diesel mit 184PS verbaut. Mit seinen 380Nm sicher keine schwachbrüstiger Zeitgenosse. Kombiniert mit der absolut ruckfrei schaltenden 8 Gang Automatik ist für ausreichend flottes vorankommen gesorgt.
Jedoch muss ich an dieser Stelle einen Appell an BMW loswerden. Bitte Bitte Bitte – lasst uns doch die 6 Zylinder Motoren. Scheißt auf dieses Downsizing. Denn mal ehrlich. Jeder der sagt das so ein 4 Zylinder Diesel gut klingt scheint noch nie etwas anderes gehört zu haben, oder versucht sich irgend etwas schön zu reden. Nein, nein und nochmals nein. Dieses Motorgeräusch stuft den X3 in meinen Augen gleich eine Klasse runter.
Natürlich. Flott ist er mit dem Motor. Es gibt, bis auf den Klang, sicher kaum Argumente die für einen, sagen wir 25d als 6 Zylinder sprechen. Die Fahrleistungen werden nur marginal besser sein. Aber da ein Autokauf auch etwas mit Emotionen zu tun hat, vor allem in dieser Preisklasse, sollte man hier nicht nur der Vernunft folgen. Für mich persönlich gehört in dieses Auto ein 6 Zylinder. Punkt.
Angaben zum Verbrauch kann ich leider nicht machen,da ich vergessen hatte den Bordcomputer zu resetten. Der Durchschnittsverbrauch wurde mit 7,6l angezeigt. Jedoch weis ich ja nicht wie dieser entstanden ist. Deswegen kann ich diese Zahl nicht wirklich bewerten.
An Bord befand sich auch die Start-Stop Automatik. Zum ersten Mal durfte ich dieses Erlebnis in Verbindung mit einer Automatik erleben (abgesehen von unserem Hybrid, da ist es aber alles etwas anders). Prinzipiell funktioniert es so ganz gut. Jedoch habe ich eine Situation erlebt in der sich dieses System eher nachteilig zeigte. Kreuzung, keine Ampel, man rollt nach und nach ran. Bleibt stehen – schaut noch einmal. Und genau in dem Moment wo man losfahren will geht der Motor aus. Nun, er geht zwar sofort wieder an. Jedoch vergehen schon ein paar Sekunden ehe man wieder losfahren kann. Es gibt erstaunlicher Weise auch keine Taste mehr um dieses System zu deaktivieren. Ich vermute das es abgeschaltet ist, wenn man das Fahrdynamikprogramm in den Sportmodus schaltet. Ob dies alles immer so im Sinne des Erfinders ist sein dahingestellt. Aber prinzipiell funktioniert es.

Kommen wir zum allgemeinen Fahrgefühl.
Hier konnte der X3 restlos überzeugen. Jetzt weis ich auch, warum er immer als der sportlichste SUV bezeichnet wird. Die Lenkung ist sehr direkt. Es ist erstaunlich mit welcher Leichtigkeit man dieses hochbeinige SUV durch Kurven zirkeln kann. Und es macht echt riesig Spaß. Einzig die Sitze bremsten den Spaß immer wieder ein. Aber dafür gibts ja Abhilfe.
Erstaunlich ist, das diese Dynamik nicht zu lasten des Komforts geht. Hier hat BMW im Verhältnis zum alten X3 eine 180° Wende hingelgt. Dieser konnte auch mit hervorragender Dynamik überzeugen. Jedoch war ihm jede Art von Komfort fremd. Der Neue kann tatsächlich beides. Einzig kurze Stöße und kurz hintereinander folgende Bodenwellen mag er nicht. Das ist aber eine Eigenschaft fast aller BMW Modelle und ist sicher zu einem gewissen Teil auf die Run-Flat Bereifung zurückzuführen. Durch die steiferen Flanken der Reifen ist hier eine wesentlich geringere Federwirkung gegeben.

Und nun die Frage. Ist ein solches Auto auch praktisch?
Diese Frage kann man durchaus mit Ja beantworten. Die hohe Sitzposition, der Überblick und das leichte ein- und aussteigen sind sicher von Vorteil. Auch ist die Karosserie erstaunlich übersichtlich. Klar, es verbirgt sich nichts hinter irgendwelchen Wölbungen und Bögen. Er ist ja doch recht Eckig gehalten. Auch die Sicht nach hinten ist ganz gut. Kein Verglich zu unserem X6. Jedoch würde ich trotzdem jedem mindestens das Park Distance Controll empfehlen. Auch die optionale Rückfahrkamera ist sicher eine Überlegung wert. Alles in Kombination ist für ~1000€ zu haben. Ein übersehener Stein, Poller oder Zaun führt schnell zu einem Schaden der den 3fachen Wert haben dürfte.
An der Ergonomie und der Bedienung an sich gibts nichts zu meckern. Der Einstieg gelingt vorn wie hinten problemlos. Auch ich als Vertreter der 2 Meter Fraktion finde im Fond ausreichend Platz. Hier ist auch eine deutliche Verbesserung zum Vorgänger zu spühren.
Am Kofferraum gibts auch nichts zu meckern. Ich sage mal Klassenüblich. Unter dem Ladeboden befindet sich noch eine Ebene mit Fächern zum verstauen von Kleinzeug. Das ist ganz praktisch. Die Rückbank ist gleich in 3 Teilen umzuklappen. Verhältnis 40:20:40. Dies gehört wohl heutzutage zum guten Ton. Ich kann dem ganzen keinen wirklichen Vorteil zur herkömmlichen 60:40 Teilung abgewinnen. Aber es wird sich sicher jemand etwas dabei gedacht haben.

Wie fällt nun das Fazit aus.
Der X3 ist ein sehr gutes Auto. Er ist genau das, was er laut BMW sein soll. Ein sportliches SUV. Von seinen Maßen ist er noch relativ Kompakt geblieben was ihn zu einem angenehmen Begleiter, auch in der Stadt, macht. Er ist ist wendig und vermittelt ein sicheres, agiles Fahrgefühl. Bei der Bedienung und Ergonomie leistet er sich auch keine Schwächen.
Ob er nun den Preis von über 50.000€ wert ist muss jeder für sich entscheiden.
Aber scheinbar entscheiden sich sehr viele Interessenten für einen X3. Momentan liegt die Lieferzeit nach Bestellung bei ca. 11 Monaten!!!

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