Der gelegentliche Besuch im Autohaus, das gelegentliche Unterzeichnen von Kaufverträgen führt gelegentlich zur Möglichkeit einer Probefahrt, ganz ohne gerade aktuelle Kaufabsichten. So hatte ich jetzt die Möglichkeit endlich einmal einen BMW M5 zu fahren.

Nun gibt es der aktuellen Generation dieses Automobiles ja so einige Vorbehalte gegenüber. Als erstes wird da immer wieder der Motor genannt. Ja, es ist kein V10 mehr. Er hat „nur noch“ 8 Zylinder. Zu allem Überfluss auch noch von 2 Turboladern beatmet. Vorbei die Zeit der frei atmenden Saugmotoren. Dazu noch zu viel Gewicht und ein schlechter Klang. All das sorgte dafür, dass auch ich bereits mit etwas gedämpfter Euphorie an dieses Auto heran getreten bin. Freilich, ich habe mich tierisch auf diesen Termin gefreut. Aber ich glaube jeder kennt das Gefühl wenn man eher mit gedämpfter Erwartung ran geht um ja nicht enttäuscht zu werden. Nun stand ich vor dem Auto. Gut, der 5er sieht schon Chic aus. Der M5 wirkt irgendwie noch etwas mächtiger. Aber so auf den ersten Blick gibt er sich nicht zu erkennen. Understatement nennt man das glaube ich auf Denglisch. Außen Schwarz. Innen Schwarz. Getönte Scheiben. Das wirkt irgendwie – böse. Zum Glück hatte er keine Alu Interieurleisten verbaut. Die gefallen mir nämlich nicht. Aber das ist ja eher eine Frage des persönlichen Geschmacks. Wer sich mit der Bedienung und dem Interieur der aktuellen BMW Fahrzeuge auskennt, wird auch im M5 vor keine Probleme gestellt. Einzig die Bedienung des Wählhebels des Doppelkupplungsgetriebes weicht von der normalen Automatik ab. Ist aber auch kein Hexenwerk. Dann wird das Fahrzeug vom Kundenbetreuer aus der Tiefgarage gefahren. Bei Tageslicht noch einmal ein Rundgang zur Übergabe und dann ist es so weit.

Ich setze mich ans Steuer des BMW M5.

Sitz einstellen, Spiegel einstellen. Erst mal rum gucken auf die allgemeinen Anzeigen. Naja, den Überblick verschaffen. 3700km stehen auf der Uhr. Also darf man auch mal richtig Gas geben wurde mir gesagt. Dem Druck auf den „Start“ Knopf stand nichts mehr im Wege. Mit einem kurzen Schütteln erwacht das V8 Triebwerk zum Leben. Mit einem tiefen brummeln pendelt sich die Drehzahl im Leerlauf ein. Am DKG Wählhebel schnell das R angewählt, Bremse loslassen. Nichts passiert. Ahhh. Stimmt. Da war was. Der Wagen rollt erst los wenn man etwas Gas gibt. Da muss man sich wieder dran gewöhnen.
Gut, also runter vom Hof und erst mal gemütlich im langsam einsetzenden Feierabendverkehr durch die Stadt. Das ist gar nicht so schlecht. Hat man doch so, häufig an der Ampel stehend, genug Zeit  an diversen Einstellungen, Knöpfchen und Hebelchen zu spielen. Da ich mich ja mit den allgemeinen Systemen eines BMW sehr gut auskenne, habe ich die Zeit genutzt, um mir die M Knöpfe am Lenkrad zu konfigurieren und mir eben die einzelnen M-spezifischen Einstellungen mal anzusehen. Aus diversen Videos wusste ich ja, was dies alles so sein soll und wozu es dient. Nette Spielerei. Oder sagen wir mal so. In dem Moment war es eine Spielerei, später habe ich dann auch durchaus begriffen wozu dass alles gut ist. Also habe ich die Stadt so langsam durchfahren. Mal schneller, mal langsamer. Mal weniger Gas, mal etwas mehr. Aber so richtig konnte mich das noch nicht, sagen wir mal, flashen.
Dann ging es auf die Autobahn. Hier stellte ich jetzt mal alles auf Sport Plus. Das hatte ich mir so auf den M1 Knopf programmiert, inklusive des Schaltens mit den Schaltwippen im  schnellsten Schaltprogramm. Auf das Abschalten der Stabilitätskontrolle habe ich verzichtet. Ich bin nur ein normaler Autofahrer und nicht Walter Röhrl. Zudem habe ich ja am öffentlichen Straßenverkehr teilgenommen. Also erst mal keine wilden Experimente. Die 80 werden aufgehoben. Ich bin gerade im Fünften Gang. Also mal eben schnell das Pedal durchgetreten. Gut, das geht zügig voran und beschleunigt wie am Gummiband gezogen. Aber den X6 Hybrid Fahrer kann das noch nicht vom Hocker reißen. Das kann der dicke SUV auch. Hmmm, haben etwa doch alle mit ihren unkerufen Recht?
Das nächste Bremsmanöver  ließ auch nicht lange auf sich warten. Jetzt besann ich mich darauf, dass ich ja in einem M sitze. Also bei 110 oder 120 erst mal in den 3. Gang runter geschaltet und nochmal geprüft ob denn wirklich alles in Sport Plus angekommen ist. Und dann der nächste Versuch.

Gaspedal trifft Bodenblech.

Da war es. Genau deswegen sitze ich gerade in einem M5. Wie von einer Tarantel gestochen, begleitet von einem Höllenlärm, stürmt oder eher reißt es den M5 nach vorne. Der Ritt auf der Kanonenkugel.  Meine Gedanken sind gefühlt nicht mitgekommen. 7000 Umdrehungen, die schaltanzeige im HeadUp Display Blinkt rot. Instinktiv ziehe ich die rechte Schaltwippe. Ein Ruck, ein Knall. Es geht ungebremst weiter voran. Ein kurzer Blick auf die Geschwindigkeit. 240. Scheiße, ich wollte doch erst mal ruhig fahren und mich an das Auto gewöhnen. Also runter vom Gas, ein paar Gänge hochschalten und das erlebte erst mal mit einem  großen Grinsen im Gesicht verarbeiten.
Gut, von nun an folgten mehrere Beschleunigungsarien aus unterschiedlichen Geschwindigkeiten in unterschiedlichen Gängen. Einfach so zum Spaß und um das Auto kennen zu lernen. Andere Verkehrsteilnehmer waren ja auch unterwegs. Alles in allem aber doch recht unterhaltsam. Ein Fakt ließ mich etwas stutzen. Wie konnte es sein das ich irgendwas mit 270 im Display lesen konnte, wo das Auto doch bei 250 begrenzt ist? Ganz einfach. Es gab keine Begrenzung. Am nächsten Tag, 5 Uhr morgens – kein Verkehr, habe ich’s genau überprüft. 318km/h hab ich laut HUD geschafft. Dann kam der nächste Knick in der Autobahn. Bei dieser Geschwindigkeit wird daraus eine richtig enge Kurve. Und wer die A95 kennt weiß, dass diese Autobahn nicht zu denen mit ewig langen Geraden zählt. Hier entspricht die Streckenführung noch genau dem Weg, den die alten Germanen volltrunken mit ihrem Pferdefuhrwerk nahmen. Die Autobahn ist verlassen. Auf der Landstraße geht es weiter. Die anfängliche Ernüchterung ist der sprichwörtlichen „Freude am Fahren“ gewichen. Im Landstraßentempo werden Kurven zu Geraden. Der M5 kann nicht nur auf der Geraden schnell sein. Es geht auch extrem zügig um die Kurve. Die Lenkung ist direkt und im entsprechenden Sport Plus Modus auch etwas schwergängiger. Jedoch, und das ist mein persönliches empfinden, würde ich es mir noch einen tacken direkter und fester wünschen. Aber das sind Kleinigkeiten und Fragen des persönlichen Geschmacks. Er lässt sich zielsicher und absolut berechenbar in jede erdenkliche Kurve zirkeln. Dabei lässt das Fahrwerk kaum Seitenneigung zu. Erstaunlicher Weise ist es aber nicht extrem hart. Da ist auch ein durchaus guter Kompromiss gelungen. Ich hatte nie das Gefühl in einem extrem sportlich, hartem Auto zu sitzen. Obwohl er das, gemessen an den Fahrleistungen, ja ist.
Hat man den M5 erst einmal kennen gelernt. Hat man sich erst einmal an das Auto gewöhnt. Dann passt er wie ein Maßanzug. Man bewegt sich mit einer unsäglichen Leichtigkeit von A nach B. Und man ist, gemessen an der Straßenverkehrsordnung, irgendwie immer zu schnell.
Ein weiterer wichtiger Punkt beim sportlichen Auto? Richtig, der Klang. Motor, Auspuff, Getriebe, Differential. Alles zusammen ergibt ja eine Klangkulisse. Der M5 neigt bei niedertourigem Fahren, genau wie auch der M3, zum säuseln. Ich nenne dieses Geräusch mal so. Meine Frau hat den M3 nach der ersten Probefahrt gleich als „Säuselkiste“ bezeichnet. Aber das tut hier nichts zur Sache. Der M5 hat, wie gesagt, dieselbe Eigenschaft. Wo auch immer es herkommen mag. Das kann bisweilen etwas nervig sein. Wenn man so gemütlich vor sich hin fährt stört dieses Geräusch irgendwie. Aber im Zweifelsfall kann man ja das Radio etwas lauter machen.
Die Soundkombination Motor-Auspuff ist beim M5 ja irgendwie speziell. Es ist kein typisches V8 grollen, es ist kein V10 und es ist kein 6-Ender. Ich weiß nicht wo die BMW Soundingenieure diese Akustik ausgegraben haben. Ich weiß auch nicht ob es von Anfang an so geplant war oder ob es ein Fehler gewesen ist. Aber eins weiß ich. So beschissen sich ein M5 in diversen Videos (Youtube, TV) auch anhört. Wenn man damit fährt und ihn Live hört ist es einfach nur Geil. Anders  kann ich es nicht beschreiben. Ich vermag diesen Klang nicht zu beschreiben. Aber er geht einem nicht mehr aus dem Ohr und man kann nicht genug davon bekommen. Dazu dieses geniale bloppen und schießen beim hoch schalten, beim vom Gas gehen, beim runter schalten. Göttlich. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Und bevor jetzt die V10 Liebhaber protestieren. Ich kenne den V10 Klang auch. Ich bin den auch im M6 gefahren. Zweifelsfrei ein akustisches Sahnestück. Aber der Klang vom jetzigen M5 ist auch sehr stark. Er ist anders als man ihn vielleicht erwarten würde. Aber er ist verdammt gut.
Jetzt hat man also so ein Auto vorm Haus stehen. Dann will man damit fahren. Meine Frau hatte dann, wie immer, eine geniale Idee.

Warum fahren wir nicht  zum Kesselberg?

Klar, gut 15 Minuten fahrt dahin. Und dann geht es Kurve an Kurve bergauf. Also genau das Richtige für so eine M Testfahrt. Motorradfahrer kennen diese Strecke sicher. In diesem Kreisen ist er wohl recht bekannt, der Kesselberg. Auch meiner Frau ist er bestens bekannt. Trieb Sie doch noch vor wenigen Jahren ihre 1000er GSX-R mit Funken sprühender Fußraste den Berg hinauf.
Im M5 ist es nicht weniger aufregend. Die schier unendliche Kraft, der nicht enden wollende Vortrieb. Gepaart mit Kurvengeschwindigkeiten jenseits von Gut und Böse. Bevor der M5 rutscht, fällt der Beifahrer aus dem Sitz. Bisher kam als Kommentar von meiner Frau bei allen Autos immer nur „Mit meiner Susi bin ich schneller. Da haste keine Chance“. Beim M5 hieß es nur „das könnte knapp werden“.
Ein Wort noch zu den Bremsen. Sie sind vorhanden. Sie verzögern absolut standfest. Auch am Ende der doch rasanten Bergabfahrt am Kesselberg bremst noch alles wie in der ersten Minute. Sauber. Ja, dann war der Abend auch schon fast vorbei. Am nächsten Morgen habe ich das Auto dann wieder zurückgegeben. Um einige Erfahrungen reicher und schlussendlich tatsächlich mit dem „habenwill“ Gefühl. Das hätte ich nicht gedacht – auch nicht nach den ersten Kilometern.
Letztendlich ein absolut starkes Auto was seinem Ruf 100%ig gerecht wird. Ich behaupte sogar, er ist noch etwas besser. Negatives? Viel nicht. Das Doppelkupplungsgetriebe kommt bei weitem nicht an den Komfort eines Wandlerautomaten ran. Gut, das soll und muss sicher nicht sein. Was aber wirklich negativ ist. Es ist kaum möglich mit dem Auto, nennen wir es mal, millimetergenau zu rangieren. Es rollt immer eher ruckartig los. Wenn man da noch wenige Zentimeter rollen muss bis zur Wand (zum Beispiel Tiefgarage oder KFZ Aufzug) läuft man immer Gefahr, das erst nichts passiert und dann der Ruck zu groß ist und man gegen die Wand rumpelt. Und dem Geldbeutel tut so ein Auto auch nicht gut. Nach 300 Kilometern habe ich 58 Liter nachgetankt.
Da sage ich nur: PROST

Ich muss mich auch noch für die wenigen Bilder entschuldigen. Einige werden noch folgen. Aber so richtig Viele habe ich nicht gemacht. Bei all dem Fahrspaß habe ich das knipsen bzw. filmen irgendwie vernachlässigt.

Um jetzt den „hier werden Autos bei Probefahrten verheizt“ Meckerern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Ich habe vor der Probefahrt gefragt, was ich alles machen darf. Es hieß: „Alles. Und wenn wir danach einen Satz neue Reifen brauchen  ist das unser Problem. Es ist ein M. Geben Sie ruhig richtig Gas.“ Es braucht keinen Satz neue Reifen, ich habe keine Launch Control ausprobiert. Ich bin nicht um jede Kurve gedriftet. Es lief alles in ganz normalem, sportlich, zügigem Rahmen.

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