Heute gibt es wieder einmal einen Beitrag in der Rubrik der Benzingespräche.
Korrekt betrachtet ist diese Rubrik aber nicht so ganz korrekt. Mit Benzin hat ein BMW i3 als reines Elektrofahrzeug so viel gemeinsam wie eine Banane mit einem Taschenrechner. Aber irgendwo ist es ja die naheliegenste Rubrik. Also kommt es da auch rein.

Da wir bei Serviceplan ja immer Innovativ sind steht natürlich auch schon ein Elektrofahrzeug in Form eines BMW i3 im Pool Fuhrpark. In gewisser Weise ist das wieder zu Innovativ. Denn derzeit gibt es noch kein funktionierendes Poolwagen Buchungssystem welches auf Elektrofahrzeuge und deren Eigenheiten zugeschnitten ist. Klar. Man kann nicht einfach stumpf hintereinander buchen. Dann fährt der eine den Akku bis auf 20km leer und der Nachbucher benötigt aber 25km Reichweite. Somit ist die Buchung für ihn ja unnütz. Das nur mal als eines der Probleme die bei der Elektromobilität entstehen.
Das soll aber hier nicht das Thema sein. Fakt ist, ich konnte das Auto einfach mal ein Wochenende lang ausleihen und somit auch recht ausgibig testen. Interessiert hat mich das ja schon lange mal. Stellt es dann doch eine andere, neuere Art der Mobilität dar.

Gut, über Design und Aussehen des i3 kann man streiten. Mir persönlich gefällt er eigentlich, irgendwie. Je mehr man ihn sich betrachtet um so interessanter wird das Fahrzeug. Klar, aus technologischer Sicht Carbon und all das Zeug. Aus Designsicht ist besonders der Innenraum interessant. Abgefahren und Spacig sagen die Einen. Einfach nur hässlich sagen die anderen.
Egal zu welcher Kategorie man sich nun zählt. Ein Fakt ist einfach Fakt. Das Ganze ist unheimlich praktisch. Nichts wirkt beengt. Alles ist schön luftig und es gibt Ablagen und Staufächer überall wo man nur hinschaut. Alles ist einfach und logisch zu bedienen. Alle Anzeigen sind sehr gut ablesbar.
Hier habe ich zwei Dinge zu bemängeln. Punkt 1. Die Bedieneinheit für das iDrive System ist irgendwie etwas zu tief angeordnet. Das müsste in meinen Augen ein paar Zentimeter weiter hoch rücken. Weitaus schwerwiegender für mich ist der Verzicht auf eine vollwertige Mittelkonsole. Aus irgendwelchen Gründen hat BMW ja bei dem Auto auf eine Mittelkonsole verzichtet. Man kann jetzt zwar problemlos zwischen Fahrer und Beifahrersitz umherrutschen. Jedoch fehlt größeren Menschen wie mir jetzt eine Anlehn- oder Ablagefunktion für das rechte Bein. Bereits nach 20 Minuten fahrt konnte ich nicht mehr so richtig sitzen.
Positiv überrascht hat mich der Platz auf den hinteren Plätzen. Gut, über die Türen und deren Funktion und Nutzen kann man sicher streiten. Aber auch ich mit meinen 2 Metern kann da hinten sitzen. Hier passt einfach das Raumkonzept. Natürlich kann ich meine langen Haxn nicht hinter dem Vordersitz verstauen. Aber die Knie passen problemlos links und rechts am Sitz vorbei ohen das sie irgendwo anecken, eingeengt wären oder das sie den Vordermann stören würden. Es passt einfach. Hinten könnte es allenfalls ein paar Zentimeter mehr Kopffreiheit vertragen.
Von daher kann ich an dem Innenraum des BMW i3 irgendwie nichts wirklich aussetzen.

Kommen wir jetzt mal zum fahren, zum Antrieb. Hier schlägt zweifelsohne eine Sternstunde des BMW i3.
Dieses Auto macht Spaß. Man glaubt es irgendwie nicht. Aber es macht einfach Spaß damit zu fahren. Die 170 elektro PS schieben dieses Auto schon sehr ordentlich voran. BMW gibt 7,2 Sekunden für die Beschleunigung von 0-100km/h an. Und das glaubt man dem kleinen Zwerg auch. Das ist wie Achterbahn fahren. Das surren des Elektromotors und gleichzeitig drückt es einen ordentlich in den Sitz. Besonders die Elastizität ist genial. Von 80-120km/h vergehen weniger als 5 Sekunden. Das ist das Niveau eines BMW M135i. Und das merkt man auch. Auf der Autobahn beim durchbeschleunigen fährt man mit dem Plastikbomber allen davon. Das macht mal richtig Spaß.
Erstaunlicherweise kommt man auch ganz gut um Kurven mit diesen dünnen Öko-Reifen. Das sieht schon skuril aus. Da bekommt die Bezeichnung Asphaltschneider eine wirklich neue Bedeutung. Aber es fährt sich richtig gut. Auch die Seitenneigung des Fahrzeugs hält sich in grenzen. Limitierender Faktor der Kurvengeschwindigkeit ist definitiv der mangelnde Seitenhalt der Sitze und eben die fehlende Mittelkonsole. Man hat in Rechtskurven sehr schnell das Gefühl, sich gleich auf dem Beifahrersitz wiederzufinden. Aber klar, das ist auch etwas am Ziel vorbei. Es ist ja eigentlich ein Stadtauto und keine Rennsemmel für die Landstraße.
Gewöhnungsbedürftig ist auf den ersten Metern auch das Bremsverhalten des Autos. Wenn man Gas gibt wird man schneller. Wenn man das Gas aber losläßt und denkt man würde jetzt rollen wird man vom apruppten Bremsen überrascht. Rekuperation ist das Zauberwort. Die konventionelle Bremse wird fast überflüssig. Man macht alles mit dem Gaspedal. Nach einiger Eingewöhnungszeit funktioniert das ganz gut und irgendwie ist es dann  auch praktisch.

Kommen wir jetzt mal zum Thema Reichweite, Akku etc..
Das ist ja nun bekanntermaßen das am meisten kritisierte Feld bei Elektrofahrzeugen. Hier macht auch der BMW i3 keine Ausnahme. Die Theoretische Reichweite unter Optimalbedingungen ist mit 160km angegeben. Ob man die schaffen kann? Ich denke ja, aber ich konnte es nicht testen.
Zuerst einmal muss man wissen, das die Elektroreichweite sehr stark von der Außentemperatur abhängt. Derzeit heißt das, das der i3 vollgeladen keine 160km Reichweite angibt sondern von Hause aus nur zwischen 100 und 115km. Das ist tatsächlich von der Temperatur abhängig.
Gut. Trotz der „nur“ 100km Reichweite habe ich mich am Freitag mit dem i3 auf den 53km weiten Heimweg gewagt. Erst geht es einige Kilometer durch die Stadt, danach 35km auf die Autobahn und dann geht’s nochmal 10km über die Landstraße. Vorweg. Ich bin nicht sparsam gefahren. Auf der Autobahn habe ich hinter München auf Vmax beschleunigt und an der Abfahrt Seeshaupt habe ich wieder gebremst. Ja, der i3 fährt 150km/h. Kurzum – ich bin mit 100km Reichweite gestartet und mit einer Restreichweite von 29km in Penzberg gelandet. Also für gefahrene 53km hat er mir 71km abgezogen. Jedoch fand ich das durchaus okay, bin ich doch alles andere als sparsam unterwegs gewesen.
Im normalen Stadtbetrieb kann man sich durchaus auf die angezeigte Reichweite verlassen. Da sind die 100km  Reichweite wohl kein Problem. Eventuell kann man den Wert dann auch je nach Bedingungen übertreffen.
Am Montag bin ich in der Früh etwas gemütlicher die 53km Richtung Arbeit gefahren. Maximal 130km/h auf der Autobahn. Und siehe da. Ich bin bei 103km gestartet und bei 48 Restkilometern in München gelandet. Das fand ich dann sehr respektabel.

Also unterm Strich muss man sagen, das man sich nicht auf die Werte des BMW Marketings verlassen sollte. Dies spricht ja von 160km, im Optimal-Super-Mega-Rückenwindfall sogar von fast 200km. Ich glaube sehr wohl, das diese Werte auch zu schaffen sind. Jedoch mit entsprechend angepasster Geschwindigkeit und unter optimalsten Bedingungen. Wer also mit dem Kauf eines i3 liebäugelt sollte es auf jeden Fall auf eine Probefahrt anlegen. Und da nicht nur die optimal Sparfahrt simmulieren. Nein, auch mal genau das Gegenteil machen. Denn eins Zeigt sich. Die Werte die real im Auto angezeigt werden haben Hand und Fuß. Darauf kann man bauen. Und die Zeigen in meinem Fall, das ein i3 derzeit nicht in Frage kommt. Die Reichweite ist noch etwas zu knapp bemessen. Sollten es irgendwann mal 160km im schlechtesten Fall sein dann könnte man über so ein Fahrzeug schon nachdenken. So als Alltagskutsche eben.
Die Energiekosten sind durchaus bezahlbar. Eine Akkufüllung 18kw/h schlägt mit etwas über 3€ zu buche. Das ist derzeit noch konkurenzlos günstig. Das sind ca. 50% von dem, was man für die selbe Strecke mit einem sparsamen Diesel verbraucht. Allerdings muss man den recht hohen Einstandspreis des i3 mit einrechnen. Und dann fällt das alles wieder auf die Schn…..
Trotzdem sehe ich in diesem Konzept durchaus Potential.

Es gibt aber auch eine Sache die ich hier noch erwähnen will. Es ist mir ein absolutes Rätsel wie BMW in dieses Auto, welches sparsam und innovativ, ja, welches die Zukunft sein soll, serienmäßig diese abgrundtief schlechten Halogenscheinwerfer einbauen kann.
Nun mag es sein das ich von den LED Scheinwerfern im 5er GT und im 6er verwöhnt bin. Aber so ein schlechtes Licht habe ich noch selten erlebt. Ich kann hier nur jedem empfehlen dringend die LED Scheinwerfer zu ordern. Die kenne ich zwar nicht aber sie können nur besser sein.

Zu meiner Schande muss ich gestehen, das es diemal keine Bilder des Autos gibt. Aufgrund des Besuches und der mangelnden Zeit hatte ich keine Zeit für eine Fotosession. Dafür habe ich aber ein paar Videoschnipplel mit der Virb aufgenommen und ein kleines Filmchen zusammengestückelt.

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